Negierende Elemente können beim Hörverstehen ganz schön fies sein. Nicht und kein gehen ja gerade noch, aber auch Wörter wie kaum, ohne zu und viele Verben haben eine negierende Funktion. Mit dieser Übung will ich die Aufmerksamkeit auf solche Elemente lenken.
Das Hörverstehen treibt mich schon länger um. Das kann man unter anderem an der Anzahl der Beiträge ablesen, die in dieser Kategorie veröffentlicht wurden. Der eigentliche Knackpunkt ist für mich, dass ich das Gefühl habe, dass Hörverstehen in Lehrwerken – und damit auch im Unterricht – oft eher getestet als unterrichtet wird. Ich hatte oft den Eindruck, dass sich meine Klasse in zwei Teile teilt: in die, die es schon können und in die anderen. Lehrwerke mit aufbauenden Übungen kenne ich wenige, es sind oft die immer gleichen Formate wie Multiple-Choice oder Richtig-Falsch, mit denen man sowohl übt als auch prüft.
Meine Bemühungen, passende Alternativen zu finden, haben meine Überlegungen in zwei ziemlich unterschiedliche Richtungen geführt: einerseits wie man Hören – jenseits von Multiplechoice und Distraktoren – möglichst authentisch gestalten und in handlungsorientierte Aufgaben einbetten kann und andererseits wie man bestimmte Mikroprozesse des Hörens – oder genauer des Dekodierens – üben kann.
Heute veröffentliche ich einen weiteren Beitrag zum Dekodieren. Thema sind die unterschiedlichen Formen von Wörtern.
In folgendem Video werden Begriffe aus dem Hochschulbereich definiert. Interessant daran ist vor allem, dass sehr unterschiedliche Redemittel zum Definieren verwendet werden, zum Beispiel “die Interessenvertretung … heisst ASTA”, “Unterrichstveranstaltungen … nennt man Lehrveranstultungen”, “eine Gruppenreise … ist eine Exkursion”, “Geld, das man zahlt, um … bezeichnet man als Teilnahmegebühr” oder “ein erfahrener Student … wird Tutor genannt.
Das Video kann man benutzen, um die Aufmerksamkeit der Lernenden auf solche Ausdrücke zu lenken oder um sie zu illustrieren. Einüben kann man solche Definitionen zum Beispiel in Verbindung mit dem Definitionenspiel.
Bei 100 und mehr können Deutschlernende auf Video aufgenommene Erklärungen zu deutschen Wörtern einstellen. Mein Lieblingsbeispiel ist zum Wörtchen “doch” von Ellie:
Wenn man mit E-Learning anfängt, sollte man weder sich selbst noch die Lernenden überfordern. Gesucht sind also ganz simple Aktivitäten, die im Idealfall auch noch von Schülern wie Lehrern als Mehrwert empfunden werden und weder viel Know-How noch Zeit voraussetzen. Ein solches Beispiel ist ein Wortschatzprotokoll im Wiki.
Die Uni Nottingham hat ein Tool entwickelt, mit dem man für die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Protugiesisch und Russisch aus beliebigen Texten wortartbasierte Übungen erstellen kann.
Hier findet ihr ein Beispiel für ein Silbenrätsel zum Thema Stadt. Versteckt sind 11 Wörter. Um die Aufgabe etwas zu vereinfachen, wurden Wortanfänge gross geschrieben:
Brü – che – cke – Denk – fen – Fuss – gän – Gas – ger – Hal – haus – haus – Hoch – Kir – Kreu – le – mal – Mu – Rat – se – se – strei – stel– te – Trot – toir – um – zung
Da Wortbildung im Unterricht häufig zu kurz kommt und es bei uns gerade heftig schneit, habe ich gestern sehr spontan eine kleine Wortschatzübung zu Komposita eingebaut.
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