“Diese süssen Dinger”: von Guetzli und Plätzchen

4. Dezember 2006

Es gibt verschiedene Dinge, die für mich untrennbar mit der Adventszeit verbunden sind. Eindeutig dazu gehören für mich Zimtsterne, Spitzbuben, Kokosmakronen und Mailänderli. Wisst ihr, was ich meine? Es geht um diese kleinen, süssen, eher trocken Dinger, die zum Teil eine Glasur haben wie Zimtsterne und zum Teil auch eine Füllung wie Spitzbuben und die man vorzugsweise in der Zeit vor Weihnachten bäckt, verschenkt, kauft und natürlich isst.

Wie man die Dinger auf Deutsch nennt (und ich meine jetzt die Hochsprache, nicht die Dialekte), ist alles andere als klar. Zu den Bezeichnungen, die man für die genannten Backwerke findet, gehören (meistens mit Weihnachts- als erstem Teil):

  • Plätzchen
  • Kekse
  • Guetzli oder Guetsli
  • Guetsle
  • Brötle

Die Aufzählung ist vermutlich nicht vollständig. Aber schon die genannten Ausdrücke sind ja zahlreich genug. Schauen wir uns die mal an:

Beim Wort Plätzchen denke ich als Schweizerin immer zuerst an ein Stück Fleisch. Ein Plätzli ist ein dünnes Stück Fleisch, das gebraten oder gedünstet wird. Anderswo im deutschen Sprachraum nennt man das Schnitzel. Das Wort Plätzli ist ein Grenzfall. Es ist nicht ganz klar ob man das Wort zum Dialekt oder zur (Schweizer) Standardsprache rechnen will. In Schweizer Kochbüchern (die nicht auf Dialekt, sondern auf Hochdeutsch verfasst sind) wird das Wort aber selbstverständlich gebraucht. Aber das ist ja eigentlich nicht das Thema. Zurück zum Wort Plätzchen. Laut dem Variantenwörterbuch wird dieses Wort in Deutschland (mit Ausnahme des Südwestens) verwendet und steht nicht für Fleisch, sondern für “süsses, kleines Feingebäck”.

Kekse findet man als das und der Keks in Deutschland und Österreich, in der Schweiz benützt man das Wort eher nicht. Plätzchen enthalten im Gegensatz zu Keksen oft noch Zutaten wie Nüsse oder Schokolade, sind mit Konfitüre gefüllt oder haben eine Glasur. Kekse sind in der Regel also trockener als Plätzchen; allzu scharf ist die Grenze zwischen Keksen und Plätzchen aber nicht. Wenn es um Weihnachten geht, scheint man aber eher von Weihnachtsplätzchen als von Weihnachtskeksen zu sprechen. Wenn man mit google.ch nach den Wörtern “Plätzchen” und “Kekse” sucht, findet man beide Begriffe annähernd gleich häufig (wobei bei Plätzchen wohl noch ein paar Diminutive für Platz dabei sind). Weihnachtsplätzchen findet man deutlich häufiger (197000 Resultate am 30. November) als Weihnachtskekse (86100 Resultate am selben Tag).

In der Schweiz spricht man in der Regel von Guetzli (oft auch Guetsli geschrieben). Das Wort braucht man sowohl im Dialekt als auch in der Schweizer Hochsprache. Plätzchen und Kekse passen beide irgendwie nicht.

Im Südwesten Deutschland sind laut Variantenwörterbuch die Wörter Gutsle und Brötle gebräuchlich. Den Unterschied kenne ich nicht. Laut Variantenwörterbuch scheint man Plätzchen im Südwesten nicht (oder nur selten) zu gebrauchen.

Nach diesen eher trockenen Ausführungen wünsche ich nun allen viel Spass beim Guetzlibacken und -essen.

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9 Kommentar schreiben Kommentar schreiben

  • 1. 1st, female  |  4. Dezember 2006 um 18:49

    Die Weihnachtsbäckerei einmal von einer ganz anderen Seite betrachtet – sehr schön!
    Mein Vater sagt den Guetzli “Chrömi”.

  • 2. DaF-Blog » Weihnach&hellip  |  11. Dezember 2008 um 16:11

    [...] für die Weihnachtszeit in der Schweiz sind die Guetzli. Über das Wort  habe ich schon einmal geschrieben, Ralf vom Landeskundeblog und seiner Klasse zuliebe geht es diesmal mehr um die Sache [...]

  • 3. Karin Bauer-Weisenstein  |  12. Dezember 2008 um 13:55

    Hallo, Cornelia
    Ich als Deutsche aus dem Südwesten (Heidelberg) empfinde weder Gutsle noch Brötle als Alternative zu Plätzchen, das bei uns durchaus gebräuchlich ist. Gustel(n) sind in Heidelberg eher Bonbons, dafür hört man es immer wieder. Gutsle klingt eher schwäbisch (ich komme aus dem württembergischen Teil B.-W.s), auch Brötle würde ich da einordnen und letztere sind für mich ganz klar die Brötchen. Ich frage mal meine schwäbische Freundin, wsenn ich es nicht vergesse.
    Sonst mal wieder vielen Dank für die tollen Anregungen, vor allen im Augenblich für die Adventskalender, von denen mir einer schöner Lückenfüller ist. (Feuer auf dem Weihnachtsmarkt). Schade nur, dass der Text so leise ist, dass ich ihn nicht nutzen kann, ich muss selber lesen. Ich warte immer schon ganz gespannt, wann wieder was Neues bei dir erscheint.
    Ich wünsche dir und deiner Familie (deine Mutter habe ich letztens mal im Buss kennen gelernt) ein schönes Weihnachtsfest und erholsame Ferien!
    Karin aus Mellingen

  • 4. Karin Bauer-Weisenstein  |  12. Dezember 2008 um 13:58

    Ich entschuldige mich für die vielen Tippfehler in meinem Kommentar (s.o.). Ich kann sowieso nicht so gut tippen und bin im Augenblick auch etwas “gekatzicapt” (schlafende Katze auf meinem Schoss, davor auf den Knien weit weg die Tastatur), deshalb habe ich den Kommentar schnell abgeschickt und nicht korrigiert.

  • 5. Cornelia  |  12. Dezember 2008 um 21:50

    Ach, macht doch nichts. Ich tippe auch häufig daneben. Das sind halt Performanzfehelr.

    Liebe Grüsse nach Mellingen, wo wohl mehr Schnee liegt als in Zürich.

    Cornelia

  • 6. DaF-Blog » Weihnach&hellip  |  22. Dezember 2008 um 11:16

    [...] (dessen Job im Norden der Weihnachtsmann macht) und um Kleingebäck (womit wir wiedermal bei meinen Guetzli wären. Die Umfrage bestätigt, was ich damals geschrieben habe. Interessant ist, dass das Wort [...]

  • 7. Jonas  |  18. November 2009 um 23:52

    Okay, auch wenn der Post von letztem Jahr ist, möchte ich noch etwas dazu sagen (wird ja bald wieder aktuell;):

    Ich komme aus Südwestdeutschland, genauer aus Baden und kann zu der besseren Unterscheidung Guetsle und Brötle beitragen:
    Ein Badner kennt das Wort Guetsle nicht in Verbindung mit Weihnachten. Er kennt die Variante Gutzl als Bonbon. Guetsle (mit deutlichem e am Ende) ist Schwäbisch (in Stuttgart auf dem Weihnachtsmarkt gesehen). Weihnachtsbrötle (mit einem am Ende) ist das badische Wort. Wobei ich schon seit meiner Kindheit parallel dazu das Wort Weihnachtsplätzchen in der Variante Weihnachtsplätzle kenne. Dabei sind Brötle, wenn nicht zu Weihnachten, ausschließlich Brötchen oder wie wir noch dazu sagen, Wecke bzw. Weckle.

    Das Wort Keks in Verbindung mit Weihnachten gibt es im badischen Raum tatsächlich nicht. Ich war das erste Mal sogar verwirrt, als jemand Keks dazu sagte und fände das auf selbstgebackene Brötle bezogen sogar beleidigend.

  • 8. Cornelia  |  19. November 2009 um 13:33

    Vielen Dank Jonas für diese Erklärung!

  • 9. hmmm...  |  5. Dezember 2009 um 16:31

    Südbaden (Lkr Waldshut):
    Breetli = Keks
    Guetzli = Bonbon
    Weggli = Brötchen

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