{"id":50,"date":"2005-08-01T13:45:29","date_gmt":"2005-08-01T11:45:29","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=50"},"modified":"2005-08-01T21:11:53","modified_gmt":"2005-08-01T19:11:53","slug":"nationalfeiertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2005\/08\/01\/nationalfeiertag","title":{"rendered":"Nationalfeiertag"},"content":{"rendered":"<p>Die moderne Schweiz wurde 1848 gegr\u00fcndet. Der Nationalfeiertag am ersten August erinnert aber nicht an dieses Datum, sondern an den so genannten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%BCtli%2DSchwur\">R\u00fctlischwur<\/a> von 1291. Es existiert eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundesbrief_von_1291\">Urkunde<\/a>, nach der im August 1291 die drei Orte Uri, Schwyz und Unterwalden einen Bund geschlossen haben. Der Legende nach geschah das auf dem R\u00fctli, einer Wiese beim Vierwaldst\u00e4ttersee. Bekannt wurde der R\u00fctlischwur vor allem durch <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/schiller\/tell\/tell.htm\">Schillers Drama Willhelm Tell<\/a> (geschrieben 1804, kurz nach der franz\u00f6sischen Revolution). Die entsprechenden Verse lauten:<\/p>\n<p>    Wir wollen sein ein einzig Volk von Br\u00fcdern,<br \/>\n    in keiner Not uns trennen und Gefahr.<br \/>\n    Wir wollen frei sein, wie die V\u00e4ter waren,<br \/>\n    eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.<br \/>\n    Wir wollen trauen auf den h\u00f6chsten Gott<br \/>\n    und uns nicht f\u00fcrchten vor der Macht der Menschen. <\/p>\n<p>In Schillers Drama erschiesst die Hauptfigur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Tell\">Willhelm Tell<\/a> den Landvogt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Gessler\">Gessler<\/a>. Gessler ist Vertreter der Habsburger, zu deren Einflussbereich damals Teile der heutigen Schweiz geh\u00f6rten. Er befiehlt in Altdorf (Hauptstadt des Kantons Uri) eine Stange mit einem Hut aufzustellen. Jeder, der \u00fcber den Platz geht, soll den Hut gr\u00fcssen, als ob es Gessler selbst w\u00e4re. Wilhelm Tell und sein Sohn Walter tun dies nicht und werden deshalb verhaftet. Gessler befiehlt Tell, seinem Sohn mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Armbrust\">Armbrust<\/a> einen Apfel vom Kopf zu schiessen. Tell weigert sich erst, versucht es dann aber doch und ist erfolgreich. Tell hatte aber auch eine zweiten Pfeil  bereit gehalten. Schliesslich gibt er zu, dass er damit Gessler erschossen h\u00e4tte, wenn er seinen Sohn getroffen h\u00e4tte. Darauf will Gessler Tell lebensl\u00e4nglich einsperren. W\u00e4hrend dem Transport zum Gef\u00e4ngnis kann Tell aber fliehen. Bei einem Engpass (der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hohle_Gasse\">hohlen Gasse<\/a>) wartet Tell auf Gessler und erschiesst ihn. Diese Tat ist ein Signal zum Widerstand und die Habsburger werden verjagt. <\/p>\n<p>So weit das Drama. Historisch l\u00e4sst sich <a href=\"http:\/\/www.geschichteinchronologie.ch\/eu\/ch\/Tell-gelogen.htm\">Willhelm Tell nicht belegen<\/a>. Die Sage vom Apfelschuss kommt auch in persischen, d\u00e4nischen, norwegischen und isl\u00e4ndischen Heldensage vor. In der Schweiz taucht Wilhlem Tell erstmals in Chroniken des 15. Jahrhundersts auf.<br \/>\nBis ins 19. Jahrhundert galt der 8. November 1307 als Gr\u00fcndungsdatum der Schweiz. Der erste August wurde im 19. Jahrhundert als Nationalfeiertag festgelegt. Seit 1994 ist der Tag arbeitsfrei. Viele Leute schm\u00fccken ihre H\u00e4user mit Schweizer- und Kantonsfahnen. In den Gemeinden finden Feiern statt. Eine bekannte Person h\u00e4lt eine Rede und die Musikvereine spielen. Zu einer Erst-August-Feier geh\u00f6rt auch das Singen der <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/schweiz\/psalm\/index.html\">Landeshymne<\/a>, auch wenn sie kaum noch jemand auswendig kann.  Die <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/cf\/alloc\/20050801.mp3\">Rede des Bundespr\u00e4sidenten<\/a> wird jedes Jahr im Fernsehen \u00fcbertragen. Am Abend gibt es oft Umz\u00fcge mit Lampions (das sind bunte Papierlaternen) und Fackeln. In vielen Gemeinden l\u00e4uten w\u00e4hrend einer Viertelstunde alle Kirchglocken. Die Leute brennen Feuerwerk ab. Einige St\u00e4dte haben auch eigene, grosse Feuerwerke. Oft gibt es auch ein Erst-August-Feuer. Besonders bekannt und sch\u00f6n anzusehen sind die H\u00f6henfeuer, die auf  H\u00fcgeln und Bergen entz\u00fcndet werden. Sie sollen an den Kampf um die Freiheit erinnern. <\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndungsgeschichte der Schweiz ist zu einem grossen Teil Fiktion. Trotzdem ist sie immer noch ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Kultur. Vor allem Tell ist fast \u00fcberall anzutreffen. Zum Beispiel ist er auf der <a href=\"http:\/\/www.about.ch\/economy\/money\/coins.html\">R\u00fcckseite der 5-Franken-St\u00fccke <\/a>abgebildet. Es gibt ein <a href=\"http:\/\/www.tellmuseum.ch\/\">Tellmuseum<\/a>, in Interlaken gibt es jedes Jahr Tellfestspiele und die Armbrust ist ein <a href=\"http:\/\/www.swissinfo.org\/sde\/swissinfo.html?siteSect=2311&#038;sid=5059056&#038;cKey=1090843397000\">Markenzeichen f\u00fcr Schweizer Produkte<\/a>. Auch in der Literatur und der Kunst kommt er h\u00e4ufig vor. Sehr bekannt ist zum Beispiel ein Lied von Mani Matter, einem Mundartliedermacher. Der bekannte Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat die Parodie <em>Wilhelm Tell f\u00fcr die Schule<\/em> geschrieben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. Oktober feiert Deutschland den Tag der deutschen Einheit. \u00d6sterreichs Nationalfeiertag ist der 26. Oktober. Die Schweiz feiert heute, am ersten August.  Die Ereignisse, die mit diesem Tag verkn\u00fcpft werden, spielen im 13. Jahrhundert. Schiller hat sie in dem Drama Wilhelm Tell gestaltet. <\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50"}],"collection":[{"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":353,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions\/353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}