{"id":394,"date":"2008-08-30T13:51:07","date_gmt":"2008-08-30T12:51:07","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=394"},"modified":"2009-09-14T11:39:27","modified_gmt":"2009-09-14T10:39:27","slug":"podcast-projekt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/08\/30\/podcast-projekt","title":{"rendered":"Podcast-Projekt"},"content":{"rendered":"<p>Seit ich Podcasts kenne wollte ich sie im Unterricht einsetzen. Nicht so sehr als H\u00f6rverstehensmaterialien (das nat\u00fcrlich auch), aber vor allem als Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Lernende. Mit einem A2.2-Kurs konnte ich so ein Projekt jetzt endlich realisieren. Ihr findet es unter <a href=\"http:\/\/dafradio.wordpress.com\/\">http:\/\/dafradio.wordpress.com\/<\/a><\/p>\n<h3>Ablauf<\/h3>\n<p>Ich habe das Projekt sehr offen gestaltet. Ich habe den Lernenden gesagt, dass wir gemeinsam Radiobeitr\u00e4ge f\u00fcr Austauschstudenten bzw. ausl\u00e4ndische Studenten in der Schweiz erstellen werden. Anschliessend haben sie in Gruppen Themen gesammelt, die f\u00fcr Austauschstudenten interessant sein k\u00f6nnten. Diese habe ich dann am Hellraumprojektor gesammelt (eine Tafel, die daf\u00fcr praktischer gewesen w\u00e4re, hatte ich leider nicht) und zu Oberthemen zusammengefasst. Von den elf Oberthemen, die dabei rauskamen, wurden dann schliesslich f\u00fcnf gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ich habe dann noch kurz erkl\u00e4rt, wo sie das Textverarbeitungsprogramm finden und wie sie die Rechtschreibkorrektur aufrufen k\u00f6nnen. Dann haben sie losgelegt.<\/p>\n<p>Die Lernenden arbeiteten in Zweier- und Dreiergruppen. Es stand ihnen frei, ob sie die Beitr\u00e4ge zusammenschreiben wollten oder ob sie das Thema unter einander aufteilten. In meiner Klasse gab es beide Arbeitsweisen. Wenn Lernende innerhalb einer Gruppe selbst\u00e4ndig arbeiten, ist es sinnvoll, sie dazu anzuregen, ihre Artikel untereinander auszutauschen und sich Feedback zur Verst\u00e4ndlichkeit zu geben.<\/p>\n<p>Bei der L\u00e4nge der Beitr\u00e4ge habe ich mich nicht festgelegt. F\u00fcr die Projektorganisation ist es aber besser, wenn die Lernenden mehrere k\u00fcrzere anstelle eines langen Beitrages schreiben. Dann sind nicht alle in der gleichen Phase und Betreuungsengp\u00e4sse lassen sich eher vermeiden. Wie lange ein Beitrag wird, h\u00e4ngt auch stark von der Sprachkompetenz der Lernenden ab. Man kann aber auf jeden Fall deutlich machen, dass man Minimall\u00f6sungen als solche erkennen wird.<\/p>\n<h3>Korrektur<\/h3>\n<p>Korrigiert wird wie gesagt schon w\u00e4hrend der Produktionsphase. Wie viel korrigiert werden soll, ist nicht ganz einfach zu entscheiden. Einerseits wird am Ende ein Produkt nach aussen pr\u00e4sentiert. Dabei ist es den Lernenden in der Regel wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Sie m\u00f6chten also Korrekturen. Andererseits sind es die eigenen Texte der Lernenden und das sollen sie auch bleiben (sowohl in der gesprochenen Fassung wie auch in der geschriebenen). Es hat keinen Sinn, die Texte der Lernenden auf perfektes Deutsch zu stylen, das sie im schlimmsten Fall gar nicht mehr verstehen oder so lange an der Aussprache zu feilen bis es wie B\u00fchnendeutsch klingt. Das endet f\u00fcr alle Beteiligten nur im Frust. Ich versuche, wenn immer m\u00f6glich, den Text mit den Lernenden gemeinsam zu korrigieren, so dass sie mir sagen k\u00f6nnen, was sie schreiben wollten und ich ihnen erkl\u00e4ren kann, was ich \u00e4ndere. Ausdr\u00fccke, die man gut versteht aber vielleicht nicht hundertprozentig perfekt sind, versuche ich stehen zu lassen (was mir gar nicht leicht f\u00e4llt). Das tue ich, weil ich der Meinung bin, dass die Lernenden auch einen eigenen Zugang zur Sprache finden m\u00fcssen, die sich dann nach und nach dem, was wir &#8222;Deutsch&#8220; nennen, angleicht. Die Verst\u00e4ndlichkeit kommt vor der muttersprachlichen Konvention. Oft erstickt man mit zu viel Korrekturen nur die Kreativit\u00e4t der Lernenden. Aber wie gesagt: Leicht f\u00e4llt das nicht.<\/p>\n<p>Im aktuellen Projekt werdet ihr noch einige Fehlerchen finden. Zum Teil, weil wir sie bewusst nicht korrigiert haben, zum Teil, weil die Lernenden nachtr\u00e4glich noch was ge\u00e4ndert oder Korrekturen \u00fcbersehen haben.<\/p>\n<p>Das gleiche wie f\u00fcr schriftliche Korrekturen gilt f\u00fcr die Aussprache. Es ist sinnvoll, die Lernenden den Text mehrmals (2-3 mal) aufnehmen zu lassen. Zuerst \u00fcben sie, dann nehmen sie den Text auf, den ich mir dann anh\u00f6re. Sie bekommen dann Feedback zu einzelnen Punken (um Himmels Willen nicht alles korrigieren!) Zum Beispiel der Akzent bei einigen W\u00f6rtern (&#8218;kopieren statt ko&#8217;pieren) oder bestimmte Buchstaben, die immer falsch gesprochen werden (st statt scht), die Pausensetzung oder die Intonation (z.B. Stimme sinkt beim Komma statt oben zu bleiben). Nach diesem Feedback nehmen sie nochmals auf. Am Schluss d\u00fcrfen die Lernenden aber selber entscheiden, welche Version gew\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Ich hatte das Gl\u00fcck, dass ich diesmal eine Assistentin hatte, die mir beim Korrigieren half. Wir haben also zu zweit 16 Lernende betreut. Wenn ich ein solches Projekt ohne Assistentin mache, muss ich mehr von der Korrektur in meine Vor- und Nachbereitungszeit verlagern und\/oder das Projekt auf mehr Tage und k\u00fcrzere Sequenzen verteilen und\/oder den Lernenden Aufgaben anbieten, die sie in Wartephasen l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>L\u00fcckenf\u00fcller<\/h3>\n<p>Im Gegensatz zum Frontalunterricht machen bei Projekten alle gleichzeitig etwas anderes. Dabei ist es unvermeidlich, dass es auch mal zu Wartephasen kommt. Wenn man die einplant, kann man sie aber auch produktiv nutzen. Gleich am Anfang erkl\u00e4re ich, was diejenigen machen sollen, die Warten m\u00fcssen (zum Beispiel auf eine Korrektur oder am Ende des Projektes). Ich habe bei Projekten fast immer Worschatz- und Grammatikbl\u00e4tter dabei, die zu den Themen passen, die ich sonst im Unterricht behandle.\u00a0 Die L\u00f6sungen zu diesen Bl\u00e4ttern lege ich auf. So sind diese Lernenden ziemlich selbst\u00e4ndig und die L\u00fcckenf\u00fcller erzeugen nicht noch mehr Betreuungsaufwand.<\/p>\n<h3>Urheberrecht<\/h3>\n<p>Wichtig sind auch Hinweise zum Copyright. Dass Abschreiben und Kopieren von Texten wenig Sinn macht, leuchtet gl\u00fccklicherweise den meisten ein, so dass das Plagiatsproblem selten auftaucht. (Es ist bei Deutschlernenden der Grundstufe auch relativ einfach zu erkennen \ud83d\ude42 ).<\/p>\n<p>Wenn Bilder oder fremde Tondateien verwendet werden, ist wichtig, dass die Lizenz es zul\u00e4sst (z.B. Creative Commons). Die Tatsache, dass man ein Bild im Internet ohne Copyrightvermerk findet, bedeutet keineswegs, dass man es frei verwenden darf. Ein Projekt wie dieses kommt aber auch ohne Bilder aus und auch Toneffekte sind nicht n\u00f6tig. Ich finde sie lenken eher vom eigentlichen Ziel, dem Arbeiten mit und an deutschsprachigen Texten ab.<\/p>\n<p>Schlieslich m\u00fcssen auch die Lernenden damit einverstanden sein, dass ihre Artikel publiziert werden. Wenn man das von Anfang an kommuniziert, ist das in der Regel kein Problem. Allerdings zwinge ich auch niemanden, mit vollem Namen zu unterschreiben. Auch Pseudonyme sind ok, solange ich weiss, wer was geschrieben hat.<\/p>\n<h3>Rolle des Lehrers<\/h3>\n<p>Wer sich jetzt fragt, was er als Leher bei einem so lernerzentrierten Projekt \u00fcberhaupt noch zu tun hat, den kann ich beruhigen. W\u00e4hrend dem Projekt habe ich Texte korrigiert, beim Schreiben beraten, Audiofiles angeh\u00f6rt und Aussprachetipps gegeben. Mir war allerh\u00f6chstens in der ersten halben Stunde etwas langweilig, weil es dann noch nichts zu korrigieren gab.<\/p>\n<p>Es war ziemlich anstrengend, aber auch sehr befriedigend, weil ich die Studenten individuell beraten konnte und auch weil es wirklich um den Inhalt ging und die &#8222;Verpackung&#8220; (=Grammatik) mittel zum Zweck wurde. Das ist die Rolle, die der Grammatik meiner Meinung auch zusteht. Mehr sollte sie nicht sein.<\/p>\n<p>Sehr positiv fand ich auch das Aufnehmen, was die M\u00f6glichkeit bot, gezielt an konkreten Ausspracheproblemen aufzunehmen. Die Perspektive der Ver\u00f6ffentlichung, motiviert die Lernenden zudem, einen Text mehr als einmal zu sprechen.<\/p>\n<h3>Zeitaufwand und technische Ausr\u00fcstung<\/h3>\n<p>Insgesamt habe ich f\u00fcr das Projekt 8 Lektionen \u00e0 45 Minuten eingesetzt. Eine Lektion brauchte ich f\u00fcr die Projektorganisation (Themen finden, Gruppen einteilen und Technik erkl\u00e4ren). Etwa eine weitere Lektion hat ca. die H\u00e4lfte der Klasse an den L\u00fcckenf\u00fclleraufgaben gearbeitet. Die Lernenden haben also 6-7 Lektionen f\u00fcr das Schreiben und Aufnehmen gebraucht.<\/p>\n<p>Ich hatte einen Computerraum mit 16 Computern und einigen Arbeitstischen zur Verf\u00fcgung. Das ist die Luxussituation. Es k\u00f6nnen aber auch 2-3 Leute an einem Computer arbeiten. Ganz ohne Computer w\u00e4re das Schreiben der Texte zwar auch m\u00f6glich, es w\u00e4re aber schade, das die Lernenden so auf die Rechtschreibkorrektur verzichten m\u00fcssen, die ein n\u00fctzliches Hilfsmittel ist und zudem auch nicht recherchieren k\u00f6nnen. Man kann stattdessen aber nat\u00fcrlich auch Leute befragen lassen oder B\u00fccher ben\u00fctzen. Zu OpenOffice bekommt man \u00fcbrigens (im Gegensatz zu Word) gratis ein Korrekturprogramm f\u00fcr Deutsch.<\/p>\n<p>Der Vorteil am Schreiben mit dem Computer ist auch, dass man automatisch eine Textfassung hat, die man mitver\u00f6ffentlichen kann. Das ist vor allem bei Anf\u00e4ngern wichtig, weil ihre Kollegen ihre (nicht immer perfekt gesprochenen) Texte durch das Mitlesen auch besser verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum Aufnehmen habe ich <a href=\"http:\/\/www.audacity.de\/\">Audacity<\/a> mit dem Lame-encoder (Zusatz f\u00fcr das Erzeugen und Importieren von mp3) verwendet. Beides ist kostenlos erh\u00e4ltlich und sehr einfach zu bedienen. Wissen muss man einzig, dass man bei gedr\u00fcckter Pausetaste weder einf\u00fcgen, l\u00f6schen noch aufnehmen kann. Wenn also gar nichts mehr geht, hat man vermutlich die Pause statt Stopp gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Als Plattform f\u00fcr die Pr\u00e4sentation habe ich <a href=\"http:\/\/wordpress.com\/\">WordPress <\/a>gew\u00e4hlt. Ich kenne diese Blogsoftware ziemlich gut und sie ist f\u00fcr die meisten Leute intuitiv zu bedienen und man kriegt Gratis 5 Gigabyte Speicherplatz. Wenn man bei wordpress.com Audiodateien hochladen will, muss man allerdings ein Upgrade kaufen (kostet 20 US Dollar pro Jahr). Man muss dieses Upgrade nur erneut bezahlen, falls man nach Ablauf eines Jahres weitere Dateien hochladen will. Wenn man die Dateien woanders speichert und nur von WordPress aus verlinkt funktioniert es auch mit dem kostenlosen Basisangebot von WordPress.<\/p>\n<p>Das Hochladen der Texte und Audiodateien haben meine Assistentin Sara und ich besorgt. Anschauen\/Anh\u00f6ren mussten wir uns die Dateien ja sowieso.<\/p>\n<h3>Variationsm\u00f6glichkeiten (Thema, Niveau, Fertigkeiten)<\/h3>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist dieses Projekt auf allen Stufen m\u00f6glich, man muss nur die Anspr\u00fcche und das Thema entsprechend anpassen. Anf\u00e4nger k\u00f6nnen sich (oder fiktive Personen) vorstellen oder sie k\u00f6nnen einfache Dialoge schreiben und vertonen. Auch Interviews sind schon fr\u00fch m\u00f6glich. Je Fortgeschrittener die Lernenden, desto Komplexer k\u00f6nnen auch die Themen sein. Man kann St\u00e4dte vorstellen, Traditionen und Br\u00e4uche etc. Bei Fortgeschrittenen sind z.B. auch H\u00f6rspiele m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Lernende im Ausland k\u00f6nnen ihr Land, ihre Herkunftstadt etc. vorstellen. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn eine Partnerklasse die fertigen Beitr\u00e4ge kommentiert und evtl. auch ihr Land vorstellt.<\/p>\n<p>Ich habe mein Projekt darauf angelegt, dass vor allem das Schreiben und die Aussprache im Zentrum stehen. Man kann die Lernenden aber auch nur mit Notizen arbeiten lassen und den Fokus eher auf das freie Sprechen legen. Je nach Thema spielt auch das Recherchieren (Texte lesen, Leute befragen) eine gr\u00f6ssere oder kleinere Rolle. Bei diesem Projekt war der Rechereche Aspekt wichtig, aber wenn man die Leute \u00fcber eigene Erfahrungen schreiben l\u00e4sst, kann er sogar ganz wegfallen.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nger sprechen w\u00e4hrend des Projektes evtl. oft ihre Muttersprache oder Englisch, aber so lange sie das tun, um ein deutschsprachiges Produkt zu erstellen, ist das kein Problem. Meine (A2.2)\u00a0 haben schon ziemlich viel Deutsch gesprochen. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass es fast alles Skandinaver waren, die deutschen Wortschatz notfalls auch &#8222;erfinden&#8220; k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Projekt wie meines habe ich \u00fcbrigens fr\u00fcher schon mal beschrieben: es ist die <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2006\/12\/13\/internationale-podcast-werkstatt\">internationale Podcast-Werkstatt<\/a>.<\/p>\n<h3>Schlussbemerkung<\/h3>\n<p>Das Projekt hat mich \u00fcberzeugt und meine Lernenden glaube ich auch. Am Ende des Kurses werde ich sie dann nochmals fragen. Es nimmt relativ viel Raum ein (bei mir konkret 8 von 60 Stunden), aber der globale Ansatz gibt den Lernenden die Chance Deutsch wirklich zu ben\u00fctzen und meiner Meinung nach ist das etwas, was noch viel zu oft zu kurz kommt.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn ihr reinschaut. Meine Lernenden freuen sich auch \u00fcber Kommentare. Zur Erinnerung nochmals die Adresse: <a href=\"http:\/\/www.dafradio.wordpress.com\">http:\/\/www.dafradio.wordpress.com<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich Podcasts kenne wollte ich sie im Unterricht einsetzen. Nicht so sehr als H\u00f6rverstehensmaterialien (das nat\u00fcrlich auch), aber vor allem als Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Lernende. 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