{"id":364,"date":"2008-08-15T09:58:24","date_gmt":"2008-08-15T08:58:24","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=364"},"modified":"2011-01-12T08:33:12","modified_gmt":"2011-01-12T07:33:12","slug":"dialekt-versus-standardsprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/08\/15\/dialekt-versus-standardsprache","title":{"rendered":"Dialekt versus Standardsprache"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein deutschsprachiger Nicht-Deutschschweizern bei seinem ersten Kontakt mit Deutschschweizern erleichtert feststellt, wie einfach er doch deren Dialekt versteht, hat er meistens Hochsprache\/Standarddeutsch (schweizerischer Pr\u00e4gung) und Dialekt verwechselt.<\/p>\n<p>Damit ihr euch eine Vorstellung vom Unterschied machen k\u00f6nnt, habe ich euch zwei kurze Texte aufgenommen. Beide Texte und die Audioaufnahmen stehen unter der CC Lizenz <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.5\/ch\/\">Namensnennung 2.5 Schweiz<\/a>.<\/p>\n<h3>Schweizerdeutsch:<\/h3>\n<pre>[audio:zueri.mp3|titles=Z\u00fcri|artists=Cornelia Steinmann]<\/pre>\n<p>(Download als <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/zueri.wav\">wav<\/a> und als <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/zueri.ogg\">ogg<\/a>)<\/p>\n<p>Z\u00fcri h\u00e4t ca. 371&#8242; 000 Iwohner. I de Agglo l\u00e4bed 1.08 Milione M\u00e4nsche. Z\u00fcri isch&#8217;s wichtigschti wirtschaftlichi und gsellschaftlichi Z\u00e4ntrum vo de Schwiz. In Z\u00fcri und Umg\u00e4big sind vili Grossbanke, Versicherige und internationali Firme dehei. Z\u00fcri isch aber ned d&#8217;Hauptstadt vo de Schwiz. Das isch Bern.<\/p>\n<p>Lut enere Studie us em Johr 2007 isch Z\u00fcri d&#8217;Stadt mit de w\u00e4ltwit h\u00f6chschte L\u00e4besqualit\u00e4t. Z\u00fcri h\u00e4t au sehr gueti Verchersverbindige. D&#8216; Turischte interessiered sich vor allem f\u00fcr de See, d&#8216; Altstadt, s&#8217;Kulturagebot und s&#8217;Nachtl\u00e4be.<\/p>\n<p>Z\u00fcri isch au en Stadt mit relativ langer Gschicht. I de R\u00f6merzit h\u00e4t si Turicum gheisse. Us dem Wort isch denn de Name Z\u00fcri worde.<\/p>\n<h3>Standarddeutsch<\/h3>\n[audio:zuerich.mp3|titles=Z\u00fcrich|artists=Cornelia Steinmann]\n<p>(Downlaod als <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/zuerich.wav\">wav<\/a> und als <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/zuerich.ogg\">ogg<\/a>)<\/p>\n<p>Z\u00fcrich hat ungef\u00e4hr 371&#8217;000 Einwohner; in der Agglomeration leben 1.08 Mio. Menschen. Z\u00fcrich ist das wichtigste wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Schweiz. In Z\u00fcrich und Umgebung sind viele Grossbanken, Versicherungen und internationale Unternehmen zuhause. Z\u00fcrich ist aber nicht die Hauptstadt der Schweiz. Das ist Bern.<\/p>\n<p>Laut einer Studie aus dem Jahr 2007<sup> <\/sup>ist Z\u00fcrich die Stadt mit der weltweit h\u00f6chsten Lebensqualit\u00e4t. Z\u00fcrich hat sehr gute Verkehrsverbindungen. Touristen interessieren sich vor allem f\u00fcr den See, die Altstadt, das Kulturangebot und das Nachtleben.<\/p>\n<p>Z\u00fcrich ist eine Stadt mit relativ langer Geschichte. In der R\u00f6merzeit hiess sie Turicum. Aus diesem Wort ist dann der Name Z\u00fcrich geworden.<\/p>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<p>Den Text habe ich schnell zusammengestoppelt. Er soll keinen literarischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen. Wichtig ist zu wissen, dass der Dialekttext auf eine Textvorlage beruht und nicht frei gesprochen ist. Das ist ja auch bei den meisten Lehrbuchstexten so. Um ein paar grunds\u00e4tzliche Unterschiede zwischen Dialekt und Standardsprache zu zeigen, reicht es aber allemal.<\/p>\n<p>Auffallen k\u00f6nnte euch,<\/p>\n<ul>\n<li>dass Standarddeutsch &#8222;ei&#8220; oft &#8222;i&#8220; ist (Schweiz versus Schwiz),<\/li>\n<li>Diphthonge, die es im Standarddeutsch nicht gibt wie zum Beispiel &#8222;gueti&#8220; (statt gute)<\/li>\n<li>ig statt ung wie in *Versicherig&#8220;<\/li>\n<li>e am Schluss, die oft fehlen wie zum Beispiel &#8222;Gschicht&#8220; statt &#8222;Geschichte&#8220;<\/li>\n<li>kein Genitiv (&#8222;Z\u00e4ntrum vo de Schwiz&#8220; statt &#8222;der Schweiz&#8220;) und keine Pr\u00e4teritumsformen (h\u00e4t gheisse\/ isch worde statt hiess\/wurde)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Merkmale findet ihr im Wikipediaartikel <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizerdeutsch#Merkmale\">Schweizerdeutsch<\/a> zusammengestellt.<\/p>\n<p>Dass ich auf Dialekt Aglo und auf Hochdeutsch Agglomeration gesagt\/geschrieben habe, ist eher umgangssprachlich als ein Kennzeichen f\u00fcr Dialekt, aber die Umgangssprache in der Deutschschweiz ist eben der Dialekt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Schweizer Dialekte gibt es keine kodifizierte Umschrift. Die meisten Leute, die Dialekt schreiben, schreiben nach Geh\u00f6r und lassen sich unterschiedlich stark von der Standardsprache beeinflussen. Der erste Text ist also keine genaue Transkription, sondern allenfalls eine Lesehilfe. Gut sieht man das zum Beispiel an meiner Wiedergabe von \u00e4\/e-Lauten, die nicht konsequent durchgezogen ist (in der kodifizierten Standardsprache ist das phonologisch gesehen aber auch nicht anders).<\/p>\n<p>Ich komme aus dem Aargau (Region Baden) und bin auch dort aufgewachsen. Meine Studienzeit in Z\u00fcrich hat meinen Dialekt aber auch beeinflusst. Typisch f\u00fcr meine Herkunft ist aber noch &#8222;en&#8220; als weiblicher Artikel. In den meisten Dialekten ist der weibliche Artikel &#8222;e&#8220; (e Stadt) in meinem Dialekt fallen der weibliche un der m\u00e4nnliche unbestimmte Artikel zusammen (en Stadt, en Maa). Je nach dem, mit wem ich spreche, sage ich aber auch &#8222;e&#8220;, also &#8222;e stadt&#8220;.<\/p>\n<p>Anmerkungen m\u00f6chte ich auch noch, dass es durchaus Deutsche oder Deutschlernende gibt, die Schweizer Dialekte von Anfang an ohne gr\u00f6ssere M\u00fche verstehen. Lernen kann man&#8217;s sowieso. So gross ist der Unterschied nun auch wieder nicht.<\/p>\n<p>Dass vielen Deutschen die schweizerischen Variet\u00e4ten (Standardsprache wie Dialekte) fremd sind, liegt vermutlich unter anderem daran, dass man in Deutschland das Schweizer Fernsehen nicht einfach so empfangen kann. Schweizerische Sendungen sind in Deutschland vor allem \u00fcber 3Sat (mit Untertiteln) oder \u00fcber die Webseiten von <a href=\"http:\/\/www.sf.tv\/\">Schweizer Fernsehen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.drs.ch\/www\/de\/drs.html\">Radio<\/a> zug\u00e4nglich. Hinzu kommt wohl noch, dass viele Deutsche \u00fcberhaupt keinen Dialekt mehr sprechen, sondern &#8222;nur&#8220; eine regionale Variante der Standardsprache. Wenn man das hin- und herschalten zwischen verschiedenen Variet\u00e4ten nicht gewohnt ist, ist es schwerer, unbekannte Dialekte zu verstehen.<\/p>\n<p>Einfacher haben es ein Teil der \u00d6sterreicher (die Vorarlberger) und die Lichtensteiner. Ihre Dialekte klingen ganz \u00e4hnlich. Sie geh\u00f6ren ebenso wie die Schweizer Dialekte zur allemanischen Dialektgruppe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Deutscher bei seinem ersten Kontakt mit Schweizern erleichtert feststellt, wie einfach er doch deren Dialekt versteht, hat er meistens Hochsprache\/Standarddeutsch (schweizerischer Pr\u00e4gung) und Dialekt verwechselt.<\/p>\n<p>Damit ihr euch eine Vorstellung vom Unterschied machen k\u00f6nnt, habe ich euch zwei kurze Texte aufgenommen. <\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,11,16,24,25,79,7],"tags":[28,80,29,30,10,172,13,104,119,94],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=364"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":379,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions\/379"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}