{"id":339,"date":"2008-06-22T09:09:30","date_gmt":"2008-06-22T08:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/06\/22\/tagungsbilanz"},"modified":"2009-09-13T19:44:31","modified_gmt":"2009-09-13T18:44:31","slug":"tagungsbilanz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/06\/22\/tagungsbilanz","title":{"rendered":"Tagungsbilanz"},"content":{"rendered":"<p>Die 2. Gesamtschweizerische DaF-Tagung (<a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/05\/13\/2-gesamtschweizerische-daf-tagung\">siehe hier<\/a>) ist vorbei. Meine Bilanz ist durchgehend positiv. Die Organisation war sehr gut (auf diesem Weg nochmals Danke an die Organisatoren) und die fachlichen Beitr\u00e4ge \u00fcberwiegend auch. Sehr gut gefallen hat mir, dass es nicht &#8222;nur&#8220; um Unterricht ging, sondern dass in vielen Beitr\u00e4gen und einigen Workshops auch Forschungsprojekte und -ergebnisse vorgestellt und einbezogen wurden. Dass fehlt mir in der Schweizer DaF-Landschaft oft, wo DaF als Forschungs- und Unterrichtsgegenstand lange ein Mauerbl\u00fcmchendasein fristete, was sich aber zum Gl\u00fcck langsam zu \u00e4ndern beginnt.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Tagung zeigte Claudio Nodari vom <a href=\"http:\/\/www.iik.ch\">IIK<\/a> am Beispiel von einigen Lernertexten, dass die Unterschiede zwischen DaF-, DaZ und DaM-Lernenden (Deutsch als Fremd-, Zweit-, bzw. Muttersprache) im Bereich Textkompetenz nicht so gross sind, wie man meinen k\u00f6nnte. Auch <a href=\"http:\/\/www.uni-bielefeld.de\/lili\/studium\/faecher\/daf\/personen\/riemer_claudia\/\">Claudia Riemer<\/a> von der Uni Bielefeld pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dass diese drei Didaktikzweige durchaus bei einander abschauen und miteinander interagieren sollen, da sich in der Realit\u00e4t die Grenzen zwischen dem prototypischen DaF-, DaZ bzw. DaM-Lernenden oft nicht so klar ziehen lassen. Ein weiterer wichtiger Punkt ihrer Ausf\u00fchrungen war, dass es offensichtlich nicht gen\u00fcgt, Lernende einfach ins sogenannte Sprachbad zu werfen und zu hoffen, dass sie ohne weitere Hilfe stilecht zu schwimmen beginnen, sprich perfekt Deutsch lernen. Sie lernen zwar Deutsch, ihr Deutsch fossiliert aber relativ schnell. Offensichtlich ist &#8222;nicht gen\u00fcgend sauberes Wasser im Sprachbad&#8220;, damit das gel\u00e4nge.  Das fehlende Wasser ist ein Bild daf\u00fcr, dass die Lernenden alleine aufgund des vorhandenen Inputs in der Regel zwar durchaus in der Lage sind, ausreichende Kommunikative Kompetenzen aufzubauen, aber nicht die von Politikern geforderten Sprachkenntnisse auf dem Globalniveau B1 . Um mit Riemer zu sprechen: Sie sprechen zwar fliessend, aber eben fliessend falsch. Was man tun kann, um diesen Deutschlernenden zu helfen, ihre verfestigte Lernersprache, mit der Sie bisher erfolgreich gelebt haben, weiterzuentwickeln ist eine spannende, aber noch offene Frage.<\/p>\n<p>Auf die Wichtigkeit von (den Lernenden angemessenem) Input in Verbindung mit Verarbeitung des Inhalts dieses Inputs und Formfokussierung hat auch <a href=\"http:\/\/www.ivlos.uu.nl\/deorganisatie\/wiewatwaar\/medewerkers\/westhoff\/6797main.html\">Gerard Westhoff<\/a> hingewiesen. In seiner &#8222;Ern\u00e4hrungspyramide f\u00fcr den Fremdsprachenutnerricht&#8220; spielt neben diesen Basiselementen auch die Produktion eine wichtige Rolle. Das Produzierenlassen sowohl von Floskeln (Redemitteln oder allgemeiner Chunks) wie auch von freien (kreatieven) \u00c4usserungen erh\u00f6ht die Gel\u00e4ufigkeit in der Fremdsprache und macht dadurch den Arbeitsspeicher im Gehirn f\u00fcr andere, neue Dinge frei. Das Produzierenlassen\u00a0 hat zudem die wichtige Funktion, dass man erst beim Produzieren merkt, was man eigentlich noch nicht weiss. Es ist also ein wichtiges Lerninstrument.<\/p>\n<p>Wenn nun Input, Verarbeitung von Input und Produktion f\u00fcr das Lernen so wichtig sind, liegt es nahe, den Lernenden Sprachlernaufgaben anzubieten, in denen Sie all das anhand von authentischen\u00a0 Materialien und Aufgaben tun k\u00f6nnen. Als \u00dcbungsform bieten sich deshalb Webquests an (Beispiele siehe <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2005\/10\/09\/webquests-i\">hier<\/a>). Da es aber auch bei Webquests gute und schlechte Umsetzungen gibt, hat Westhoff mit seinem Team ein Instrument entwickelt, mit dem man Webquests auf ihre Lernwirksamkeit beurteilen kann. Die Webseite zum Projekt ist unter <a href=\"http:\/\/www.talenquest.nl\">www.talenquest.nl<\/a> zu finden. Das Beurteilungsinstrument findet man <a href=\"http:\/\/webquest.kennisnet.nl\/talenquest\/talenquest_beoordelen\">hier <\/a>(auf deutsche Flagge klicken). Ich selbst habe es mir aber noch nicht genauer angesehen und mir ist noch nicht klar, ob es bei der Selbsteinsch\u00e4tzung bleibt oder ob man ein &#8211; wie auch immer geartetes Feedback bekommt.<\/p>\n<p>Die spezifische Sprachsituation in der Schweiz und ihre Ber\u00fccksichtigung im Unterricht bzw. ihre Auswirkungen auf den Sprachwerwerb von Kindern und Jugendlichen wurden gleich in mehreren  Veranstaltungen thematisiert. <a href=\"http:\/\/www.ds.unizh.ch\/lehrstuhlduerscheid\/\">Christa D\u00fcrscheids<\/a> Referat zu den Standardvariet\u00e4ten im deutschen Sprachraum, indem Sie f\u00fcr die Reflexion \u00fcber diese Variet\u00e4ten im Unterricht pl\u00e4diert, habe ich <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/06\/21\/helvetismen-rolle-im-sprachunterricht\">bereits erw\u00e4hnt<\/a>. Andrea Ender stellte in ihrem Beitrag das Projekt &#8222;Deutsch als Zweitsprache in Dialektumgebung&#8220; vor. (Mehr dazu bei <a href=\"http:\/\/www.google.ch\/url?sa=t&amp;ct=res&amp;cd=3&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.linguistik-online.de%2F32_07%2FenderEtAl.pdf&amp;ei=PmldSMGSMYWIngOJqZiLDA&amp;usg=AFQjCNF8VfehWodLaxOlmQwivuQrCF1V_g&amp;sig2=UjByCFccjDVchTKsnUQfoQ\">Linguistik online<\/a>). Auch Mathilde Gygers Workshop &#8222;Lernersprache zwischen Mundart und Hochdeutsch&#8220; liegt ein \u00e4hnliches Projekt der P\u00e4dagogischen Hochschule Basel zu Grunde. Mehr zum Projekt findet man unter &#8222;Mischcode&#8220; <a href=\"http:\/\/www.ph.fhnw.ch\/ife\/projekte\/dspProjectsByPerson.cfm?pkyMemberID=262\">hier<\/a>. Bei beiden Projekten spielen die Fragen, ob die Kinder die beiden Sprachformen Dialekt und Standard bewusst unterscheiden k\u00f6nnen und ob die Diglossiesituation in der Schweiz (Dialekt und Standard in unterschiedlichen Verwendungssituationen nebeneinander) einen (negativen) Einfluss auf den Zweitspracherwerb haben, eine grosse Rolle.<\/p>\n<p>Zueltzt will ich noch einen Verlagsworkshop erw\u00e4hnen. F\u00fcr einmal war es keine Pr\u00e4sentation und Anpreisung von eigenen Lehrmitteln (auch wenn der Name des Verlags \u00f6fters viel \ud83d\ude42 ), sondern eine gut gemachte Einf\u00fchrung in die Einsatzm\u00f6lgichkeiten und die Handhabung von E-Mail, Podcasts, Wikis und Blogs. Kompliment an den Referenten Stefan Deinzer vom Hueberverlag, kann ich da nur sagen &#8211; und nicht (nur \ud83d\ude09 ), weil er mein Blog nichts ahnend lobend erw\u00e4hnt hat.\u00a0 \ud83d\ude42<\/p>\n<p>So jetzt hoffe ich, dass ich einerseits nichts v\u00f6llig falsch wiedergegeben habe und andererseits, dass ich dem einen oder anderen\u00a0 Appetit auf die n\u00e4chste Tagung machen konnte (die es hoffentlich in zwei Jahren geben wird). In der Zwischenzeit kann man sich ja den Tagungsband und auf die <a href=\"http:\/\/www.conventus.de\/idt\/\">IDT 2009<\/a> in Jena freuen.<\/p>\n<p id=\"oakvoc-tip-title-div\" style=\"border: medium none; margin: 0px; overflow: hidden; width: 100%; height: 24px;\">\n<p id=\"oakvoc-tip-content-div\" style=\"border: medium none; margin: 0px; padding: 0px; overflow: visible; width: 100%; height: 328px;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 2. Gesamtschweizerische DaF-Tagung ist vorbei. Meine Bilanz ist durchgehend positiv. 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