{"id":3257,"date":"2014-06-08T05:01:02","date_gmt":"2014-06-08T04:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=3257"},"modified":"2014-06-08T05:01:02","modified_gmt":"2014-06-08T04:01:02","slug":"paul-nation-uber-wortschatzmessungen-und-unterrichtsplanung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2014\/06\/08\/paul-nation-uber-wortschatzmessungen-und-unterrichtsplanung","title":{"rendered":"Paul Nation \u00fcber Wortschatzmessungen und Unterrichtsplanung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Nation\">Paul Nation<\/a> besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit Spracherwerbs- und Unterrichtsforschung. Sein Hauptforschungsgebiet ist Wortschatz. In der unten eingebundenen Online-Vorlesung spricht er \u00fcber zwei verschiedene Themen: Einerseits \u00fcber Tests, mit denen man die Gr\u00f6sse des Wortschatzes einer Person messen kann und andererseits \u00fcber ein Kurskonzept, dass den systematischen Aufbau von Wortschatz und Sprachkompetenz erm\u00f6glichen soll.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/61dGJZ3Jyaw\" frameborder=\"0\" width=\"420\" height=\"315\"><\/iframe><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.tesolacademic.org\/\">TESOLacademic.org<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.tesolacademic.org\/keynotes0810.htm#572104959\">Keynotes 08-10<\/a>. Videolink: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=61dGJZ3Jyaw\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=61dGJZ3Jyaw<\/a><\/p>\n<p>Im ersten Teil\u00a0 bezieht sich Nation auf Wortschatzlisten und Testbeispiele, die f\u00fcr Englisch entwickelt wurden. Die methodischen Bemerkungen zur Entwicklung solcher Sprachstandsmessungen sind aber auch f\u00fcr DaF interessant, auch wenn die Grundlagen f\u00fcr DaF zum Teil noch gar nicht existieren bzw. nicht frei verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Ans Herz legen m\u00f6chte ich euch vor allem den zweiten Teil des Videos (ab ca. <strong>10.30<\/strong>) in dem Nation ein Kurskonzpet skizziert, dass es den Lernenden erm\u00f6glichen soll, den Wortschatz zu erwerben, den sie zum selbst\u00e4ndigen Umgang mit authentischen Texten bzw. \u00c4usserungen brauchen. Nation postuliert, dass der Unterricht aus vier gleich wichtigen (und damit zeitlich gleich zu gewichtenden) Teilen (= the four strands) bestehen m\u00fcsse, n\u00e4mlich<\/p>\n<ol>\n<li><strong>meaning focused input:<\/strong> Besch\u00e4ftigung mit H\u00f6r- und Lesetexten, wobei das Verstehen der Botschaft klar im Zentrum steht.<br \/>\nEin Beispiel daf\u00fcr ist das so genannte &#8222;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Extensive_reading\">extensive reading<\/a>&#8220; (ab ca. <strong>15.00<\/strong>), bei dem die Lernenden viele Texte auf ihrem Niveau lesen, ohne dazu viele Fragen beantworten zu m\u00fcssen. Es geht darum, Spass am Lesen zu haben und zu verstehen, um was es im Text geht. Damit die Methode einen Effekt hat, sollten die Lernenden laut Nation alle 1-2 Wochen ein niveaustufengerechtets Buch (graded reader) lesen, das sie interessiert. F\u00fcr das H\u00f6ren empfiehlt Nation das Vorlesen von (ebenfalls niveaustufengerechten) Geschichten, die die Lehrperson in kleinen Portionen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum in angemessenem Tempo vortr\u00e4gt und dabei wenn n\u00f6tig S\u00e4tze wiederholt oder einzelne W\u00f6rter anschreibt, die die Lernenden beim H\u00f6ren allein vielleicht nicht erkennen.<\/li>\n<li><strong>meaning focused ouput:<\/strong> Eigenst\u00e4ndige Produktion von m\u00fcndlichen und schriftlichen Beitr\u00e4gen, wobei ebenfalls die Botschaft (und nicht die Form) im Zentrum steht.<br \/>\nBeispiele f\u00fcr diesen Teil gibt Nation ab <strong>17.05 <\/strong>(Aktivit\u00e4ten, bei denen sie Aussagen ordnen, Inhalte wiedergeben, Probleme l\u00f6sen m\u00fcssen etc).<\/li>\n<li><strong>deliberate learning:<\/strong> In diesen Bereich, f\u00fcr den Nation ab <strong>18.40<\/strong> Beispiele gibt,\u00a0 geh\u00f6ren intentionales Lernen (z.B. Arbeit mit Karteikarten), das explizite Unterrichten bzw. \u00dcben von ausgew\u00e4hlten W\u00f6rtern und Strukturen, so gennanntes intensive reading, bei dem sich die Lernenden unter Anleitung mit ziemlich schwierigen Texten auseinandersetzen und Strategietraining wie W\u00f6rterbuchben\u00fctzung.<\/li>\n<li><strong>fluency:<\/strong> Entwicklung von Fl\u00fcssikgeit bzw. Gel\u00e4ufikeit (man k\u00f6nnte wohl auch Automatisierung sagen) in allen vier Fertigkeiten. Wesentlich ist hier, dass die Aufgaben einfach sein , aber unter erh\u00f6htem Zeitdruck durchgef\u00fchrt werden sollten.<br \/>\nBeispiele f\u00fcr den Bereich <strong>Lesen<\/strong> sind speed reading (also \u00dcbungen zur Erh\u00f6ung der Lesegeschwindigkeit) oder das (Wieder)Lesen sehr einfacher Texte in k\u00fcrzerer Zeit (ab ca. <strong>21.30<\/strong>). F\u00fcr das <strong>H\u00f6ren<\/strong> (ab ca. <strong>22:20<\/strong>)\u00a0 erw\u00e4hnt Nation einerseits die M\u00f6glichkeit, elektronisch vorliegende Texte automatisch zu beschleunigen und weist andererseits darauf hin, dass das Vorlesen einer Geschichte mit der Zeit zu einer Gel\u00e4ufigkeits\u00fcbung im H\u00f6ren werde, wenn sich Wortschatz immer wiederhole und die Lernenden zunehmend mit der Handlung vertraut werden. F\u00fcr den Bereich <strong>Schreiben<\/strong> (ab ca. <strong>23.50<\/strong>) stellt Nation die \u00dcbungsform 10-Minute-Writing vor. Die Lernenden schreiben zwei bis drei Mal pro Woche in je 10 Minuten zu einem Thema, \u00fcber das sie gut Bescheid wissen so viel wie m\u00f6glich und z\u00e4hlen dann anschliessend die W\u00f6rter. Sie protokollieren, wie sich die Anzahl W\u00f6rter entwickelt. Was das <strong>Sprechen<\/strong> angeht (ab ca. <strong>25.10<\/strong>), so stellt Nation die 4-3-2-Methode vor. Die Lernenden arbeiten zu zweit. A stellt B sein vorbereitetes Thema vor. Nach 4 Minuten wechseln die Partner. A spricht wieder zum selben Thema, diesmal aber nur 3 Minuten und mit einem neuen Partner B. Dieselbe Aufgabe wird noch ein drittes Mal wiederholt, diesmal aber nur f\u00fcr 2 Minuten. Erst danach (m\u00f6glicherweise auch erst in der n\u00e4chsten Stunde) kommen alle B-Leute an die Reihe.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Kommentar<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde den Beitrag von Nation sehr anregend, weil er den Begriff &#8222;Fluency&#8220; auf alle vier Fertigkeiten bezieht und diesbez\u00fcglichen \u00dcbungen auch explizit Platz einr\u00e4umt. In der deutschsprachigen Didaktik kommen Automatisierungs\u00fcbungen zwar auch vor, aber so klar formuliert und konsequent angewendet ist mir das bisher noch nie untergekommen. Pers\u00f6nlich gef\u00e4llt mir auch, dass Nation dem expliziten Unterrichten von Wortschatz und Strukturen nur einen relativ kleinen, aber trotzdem wichtigen Platz innerhalb des &#8222;Deliberate Learnings&#8220; zuweist. Auch der explizite Einbezug von Lernstrategien (z.B. Lernen mit Karteikarten, W\u00f6rterbuchbenutzung etc.) gef\u00e4llt mir an diesem Ansatz sehr.<\/p>\n<p><strong>Mehr Informationen<\/strong><\/p>\n<p>Denen, die mehr zu den einzelnen Teilen wissen m\u00f6chten, empfehle ich das Buch &#8222;Nation, I.S.P (2008): <em>Teaching Vocabulary: Strategies and Techniques<\/em>. Boston: Heinle Cengage Learning.&#8220; Er gibt darin f\u00fcr jeden der 4 Teile (four strands) weitere Beispiele und nat\u00fcrlich auch Hinweise auf den damaligen Forschungsstand.<\/p>\n<p>Die ausf\u00fchrliche Publikationsliste von Nation, mit Links zu denjenigen seiner Texte, die frei zug\u00e4nglich sind, findet ihr hier: <a href=\"https:\/\/www.victoria.ac.nz\/lals\/about\/staff\/paul-nation-pubsdate\">https:\/\/www.victoria.ac.nz\/lals\/about\/staff\/paul-nation-pubsdate<\/a>. Auf seiner <a href=\"http:\/\/www.victoria.ac.nz\/lals\/about\/staff\/paul-nation\">Homepage\u00a0<\/a> bietet er zudem viele Ressourcen zum Downlaod an, die sich nat\u00fcrlich auf Englisch beziehen, aber wenn ihr am Thema Wortschatz interessiert seid, k\u00f6nnte sich zum Beispiel st\u00f6bern in der <a href=\"http:\/\/www.victoria.ac.nz\/lals\/resources\/vocrefs\/bibliography\">Bibliographie<\/a> lohnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Paul Nation besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit Spracherwerbs- und Unterrichtsforschung. Sein Hauptforschungsgebiet ist Wortschatz. 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