{"id":2987,"date":"2013-09-29T11:07:56","date_gmt":"2013-09-29T10:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=2987"},"modified":"2013-09-29T11:08:47","modified_gmt":"2013-09-29T10:08:47","slug":"duolingo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2013\/09\/29\/duolingo","title":{"rendered":"Duolingo"},"content":{"rendered":"<p>Bei uns im Selbstlernzentrum haben wir in letzter Zeit immer mehr Leute, die sagen, dass sie mit <a href=\"http:\/\/www.duolingo.com\/\">Duolingo<\/a> (meistens Spanisch) lernen. Da man mit Duolingo auch Deutsch lernen kann und ich wissen wollte, was die Lernenden daran fasziniert und bei der Stange h\u00e4lt und ob das ganze \u00fcberhaupt etwas bringt, habe ich vor etwa sieben Wochen selber angefangen, mit Duo-Lingo eine neue Sprache und zwar ebenfalls Spanisch zu lernen, dass ich bis dato noch nie gelernt hatte.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag schildere ich den Lernprozess mit Duolingo und meine \u00dcberlegungen zu dieser Art des Lernens und zwar am Beispiel Spanisch.<\/p>\n<h2>Struktur und \u00dcbungsformen<\/h2>\n<p>Der Lernstoff von Duolingo ist als Baum organisiert. Es gibt einige Verzweigungen, die man w\u00e4hlen kann, grunds\u00e4tzlich muss man aber meistens bestimmte Vorbedingungen erf\u00fcllen, um von einem Kapitel (in Duolingo &#8222;skill&#8220;) zum anderen zu kommen. Man kann sich aber aus jedem Kapitel heraustesten (was schneller geht als alle Lektionen durchzuarbeiten und wozu jeweils 3 Versuche zur Verf\u00fcgung stehen) und es gibt im Baum drei Schl\u00fcsselstellen, an denen man ebenfalls einen Test absolvieren kann. Wenn man den Test (in ebenfalls maximal 3 Versuchen) besteht, werden alle darunterliegenden Lektionen als bestanden verbucht, andernfalls muss man sich ganz normal durch den Baum hocharbeiten.<\/p>\n<p>Die einzelnen Kapitel bestehen aus einer unterschiedlichen Anzahl Lektionen (= lessons),\u00a0 die jeweils aus 20 \u00dcbungen bestehen, deren Zusammensetzung aber immer variiert. Dazu geh\u00f6ren \u00dcbersetzungen (jeweils von und nach Englisch), Diktate von Wortgruppen bis S\u00e4tzen, verschiedene Formen von Multiple Choice (z.B. mit Bildern oder die Auswahl einer oder mehrerer \u00dcbersetzungen zu einem vorgegebenen Satz) und Nachsprech\u00fcbungen. Pro Lektion sind drei Fehler erlaubt (wobei einige Fehler wie Buchstabenverdreher, weggelassene Akzente und \u00e4hnliches) nicht z\u00e4hlen. Bei mehr als drei Fehlern muss die Lektion wiederholt werden, man kann sich aber seit neuestem auch noch einen weiteren Versuch f\u00fcr 4 Lingots dazukaufen. Diese Lingots erh\u00e4lt man unter anderem, wenn man eine Lektion\u00a0 fehlerfrei abgeschlossen (1 Lingot pro Lektion), ein Kapitel (=skill) beendet (2Lingots) oder wenn man \u00fcber mehrere Tage\u00a0 regelm\u00e4ssig erfolgreich \u00dcbungen absolviert hat (1 Lingot pro 10 Tage).\u00a0 Man kann sich also nicht beliebig weitere Fehler erkaufen, kann das Feature aber benutzen, um \u00fcber eine Lektion hinauszukommen, die man einfach nicht schafft.<\/p>\n<p>Jedes Kapitel, dass man einmal absolviert hat, kann man sp\u00e4ter beliebig weiter\u00fcben, entweder im selben \u00dcbungsmodus wie bisher oder mit zus\u00e4tzlichem Zeitlimit (= lesson practice). Man kann auch gezielt einzelne W\u00f6rter \u00fcben, zum Beispiel diejenigen, die in den Lektionen schon l\u00e4nger nicht mehr vorgekommen sind, was Duolingo mit einem k\u00fcrzer werdenden Balken anzeigt (Tab &#8222;vocabulary in der Leiste oben).<\/p>\n<p>Neben diesen stark gelenkten \u00dcbungen gibt es in Duolingo auch \u00dcbersetzungs\u00fcbungen mit ganzen Texten. Im spanischen Modul wurden mir nach einiger Zeit ein Rezept zum \u00dcbersetzen vorgeschlagen. Seitdem werden zwischen den Lektionen immer wieder andere Texte eingeschaltet (Rezpete, eine Fabel von Aesop, Wikipedia-Artikel zu verschiedenen Themen, Artikel aus Newsportalen etc.) Wenn man auf einen Satz klickt, sieht man die \u00dcbersetzung des vorangehenden Benutzers (und wenn man will auch die seiner Vorg\u00e4nger) und kann die \u00dcbersetzung entweder gutheissen, f\u00fcr schlecht befinden oder \u00e4ndern. W\u00f6rter, die bereits gelernt wurden, sind im Text markiert (nat\u00fcrlich sehr viele Strukturw\u00f6rter wie z.B. Artikel, Pr\u00e4positionen u.\u00e4 darunter). Man kann sich jederzeit auch weitere Texte vorschlagen lassen ( = real world practice) oder im Tab &#8222;immersion&#8220; selber welche suchen.<\/p>\n<h2>Dokumentation des Lernprozesses<\/h2>\n<p>Duolingo arbeitet mit vielen Elementen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gamification\">Gamification<\/a>, dazu geh\u00f6ren zum Beispiel die oben bereits erw\u00e4hnten Lingots. Gamification-Elemente werden auch benutzt, um den Lernprozess sichtbar zu machen. Fortschrittsbalken zum Beispiel sind all gegenw\u00e4rtig, zum Beispiel beim L\u00f6sen einer Lektion, zur Anzeige des Fortschritts innerhalb eines Kapitels oder als Indikator daf\u00fcr, wann ein Wort wieder repetiert werden sollte. Auch der eingangs erw\u00e4hnte Lernbaum zeigt den Fortschritt an. Lektionen, die in Bearbeitung sind oder bereits abgeschlossen wurden, werden farblich markiert.<\/p>\n<p>Jede abgeschlossene Lektion, jedes bestandene Kapitel etc. bringt Punkte. F\u00fcr Lektionen gibt es jeweils 10 Punkte, wenn man keine Fehler macht, kann man bis zu 13 Punkte bekommen. Diese drei Zusatzpunkte sind als Herzen dargestellt und wenn man sich irrt, verschwindet jeweils eines davon. Das Sichtbarmachen der Leistung in Form von Punkten ist also ein weiteres Element, dass den Lernfortschritt visualisiert. Die t\u00e4gliche Punktzahl wird auf der Nutzer-Homepage der zu lernenden Sprache als M\u00fcnzstapel angezeigt, neu gewonnene Punkte (und vollendete Aktivit\u00e4ten) werden im so genannten &#8222;stream&#8220;, einer Art automatisch angelegtem Aktivit\u00e4tenprotokoll, ver\u00f6ffentlicht. Wenn man sich auf Duolingo Freunde sucht, k\u00f6nnen diese den Stream einsehen und auf der erw\u00e4hnten Homepage werden jeweils die Highscores der befreundeten Lerner angezeigt. Zus\u00e4tzlich bringen einen die Punkte (unabh\u00e4ngig vom Voranschreiten im Lektionenbaum) auch in ein h\u00f6heres Level. Selbst wenn man &#8222;nur&#8220; repetiert und so Punkte holt, sieht man also einen Fortschritt und tats\u00e4chlich ist ja auch das Repetieren eine sinnvolle Lernt\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Auch auf der Wortschatzebene ist immer klar, was man schon gelernt hat. Wenn in einer \u00dcbung neue W\u00f6rter auftauchen, werden sie gelb markiert. Am Ende jeder Lektion werden die W\u00f6rter aufgef\u00fchrt, die man durch das Bearbeiten der \u00dcbungen &#8222;gest\u00e4rkt&#8220; hat. Es gibt eine Wortschatz\u00fcbersichtsseite, die alle vorgekommenen W\u00f6rter (bzw. Wortformen) zusammenfasst. Die W\u00f6rter lassen sich auch nach Kapitel ordnen und in jeder Lektion kann man sich die neuesten W\u00f6rter anzeigen lassen.<\/p>\n<h2>Unterst\u00fctzung<\/h2>\n<p>Duo-Lingo ist ein Selbstlernangebot, ohne Unterst\u00fctzung durch einen Lehrer oder Tutor. Wenn man als Lernender jedoch sprachlich oder sonst irgendwie stecken bleibt, gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten, sich Hilfe zu holen bzw. die Aufgabe zu vereinfachen. Dazu geh\u00f6ren folgende Features:<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Vereinfachungsm\u00f6glichkeiten:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Bei Diktat\u00fcbungen kann man das Audio in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten abspielen lassen (normal und langsam)<\/li>\n<li>Bei fast allen \u00dcbungsformen steht ein W\u00f6rterbuch zur Verf\u00fcgung, das man ganz einfach durch das Zeigen des Mauszeigers auf ein Wort aktiviert. Allerdings stehen in diesem W\u00f6rterbuch keine grammatischen Informationen (wie z.B. das Genus) zur Verf\u00fcgung. Wenn man ein bereits bekanntes Wort nachgeschlagen hat, wird das Wort grau markiert und es wird &#8222;you peeked angezeigt&#8220;, wodurch der Nachschlagetrieb evt. etwas im Zauum gehalten wird.<\/li>\n<li>In fast allen \u00dcbungsformen kann man sich die Aussprache der W\u00f6rter und S\u00e4tze anh\u00f6ren. Die Aussprachequalit\u00e4t ist aber nicht in allen Sprachen gleich. Im italienischen Modul war sie beim letzen Test vor ein paar Wochen vergleichsweise sehr schlecht.<\/li>\n<li>Die wichtigsten Sonderzeichen pro Sprache stehen unter den Eingebamasken als virtuelle Tasten zur Verf\u00fcgung.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erkl\u00e4rungen<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Zu den einzelnen \u00dcbungen innerhalb jeder Lektion existieren Diskussionsforen. Wenn man also zum Beispiel bei einer \u00dcbersetzung daneben lag, kann man dort nachfragen bzw. -lesen, woran das liegen k\u00f6nnte. In den Foren sind allerdings vorwiegend Lernende unterwegs, aber oft postet jemand einen n\u00fctzlichen Link oder man erh\u00e4lt die Best\u00e4tigung, dass auch andere die vorlangte \u00dcbersetzung nicht berrauschend finden.<\/li>\n<li>Wenn man eine \u00dcbung falsch l\u00f6st, erh\u00e4lt man in einigen F\u00e4llen ein Feedback zum Fehler, im Minimum aber einen Vergleich zwischen der richtigen und der eigenen L\u00f6sung.<\/li>\n<li>Am Anfang von Lektionen und manchmal als Infofenster innerhalb von Lektionen werderen zuweilen Grammatikerkl\u00e4rungen eingeblendet. Allerdings scheint das nicht systematisch der Falls zu sein. Die bestimmten Artikel zum Beispiel tauchten das erste Mal ohne irgendeine Erkl\u00e4rung auf, obwohl spanisch zwei verschiedene Artikel hat und englisch nur einen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Umgang mit Fehlern<\/h2>\n<p>Duolingo ist einigermassen fehlertolerant bei Akzenten, Gross- und Kleinschreibung sowie Buchstabenverdrehern. Das bedeutet, dass Fehler in diesem Bereich keine Herzen kosten, aber der korrekte Satz (mit hervorgehobenem Fehler) und evtl. eine Erkl\u00e4rung werden angezeigt. Fehlende Satzzeichen werden nicht einmal markiert. Andererseits kann es sein, dass man in der Erkl\u00e4rungssprache (in meinem Fall Englisch) einen Fehler macht (z.B. Good by statt bye tippt), was dann ebenfalls als Fehler z\u00e4hlt. Was ein Fl\u00fcchtigkeits- und was ein &#8222;echter&#8220; Fehler ist, ist ja auch f\u00fcr Leherer nicht immer einfach zu eruieren.<\/p>\n<p>Ein gr\u00f6sseres Problem ist, dass \u00dcbersetzungen nur dann richtig sind, wenn die \u00dcbersetzung auch als solche abgelegt wurde. Zudem scheint Duolingo in den \u00dcbungsmodulen eher w\u00f6rtliche \u00dcbersetzungen zu favorisieren. Das ist einerseits verst\u00e4ndlich, f\u00fchrt aber nicht immer zur besten \u00dcbersetzung. Sp\u00e4testens beim \u00fcbersetzen authentischer Texte wird klar, dass dieser Ansatz nicht ausreicht. Diese \u00dcbungsform bildet also eine Art korrektiv zu vielleicht etwas zu w\u00f6rtlichen \u00dcbersetzungen. Zudem kann man, wie bereits oben erw\u00e4hnt, in den Foren zu den S\u00e4tzen auch solche Bemerkungen deponieren und wie man aus sp\u00e4teren Kommentaren ablesen kann, scheinen solche \u00dcbersetzungen z.T. durchaus ihren weg in die Lektionen zu finden.<\/p>\n<h2>Lernziele, Auswahl der Lerninhalte<\/h2>\n<p>Das langfristige Ziel von Duolingo ist, dass seine Nutzer echte Texte von einer Sprache in die andere \u00fcbersetzen. Darauf beruht auch das Gesch\u00e4ftskonzept der Seite. Langfristig sollen die Sprachlernmodule frei bleiben, Nutzer, die einen Text \u00fcbersetzen lassen m\u00f6chten, sollen f\u00fcr diesen Service bezahlen (Quelle: Duolingo: <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Duolingo#Business_model\">Business model,<\/a> englische Wikipedia, Stand vom 29.9.13). Unter diesem Gesichtspunkt ist es sinnvoll, dass die \u00dcbungen von Duolingo ein so grosses Gewicht auf das Hin- und Her\u00fcbersetzen legen.<\/p>\n<p>Der Wortschatz ist\u00a0 &#8211; zumindest in den Anfangslektionen die ich mir genauer angeschaut habe &#8211; f\u00fcr alle Sprachen gleich oder zumindest \u00e4hnlich und nicht wirklich mit Deskriptoren vereinbar, wie sie z.B. im gemeinsamen europ\u00e4ischen Referenzrahmen f\u00fcr Sprachen stehen. Auch die Auswahl der Themen und S\u00e4tze ist nicht an kommunikativen Bed\u00fcrfnissen ausgerichtet, sondern daran, dass der Wortschatz in ein bestimmtes grammatisches Muster passt. Im Prinzip gut ist, dass die W\u00f6rter immer in einem Kontext verwendet werden. Die Kontexte sind allerdings h\u00e4ufig wenig authentisch. S\u00e4tze wie &#8222;die Spinne trinkt Milch&#8220; m\u00f6gen ja noch lustig sein, aber Fakt bleibt, das viele S\u00e4tze, die man lernt, kaum kommunikative Relevanz haben.<\/p>\n<p>Die Auswahl der Grammatik orientiert sich meines Erachtens nicht an den Texten, die \u00fcbersetzt werden sollen. Andernfalls m\u00fcssten z.B. Vergangenheitszeiten fr\u00fcher kommen. Angaben dazu, wie die Grammatikprogression zustande kommt, habe ich keine gefunden.<\/p>\n<h2>Autonomie<\/h2>\n<p>Autonomie hat verschiedene Dimensionen. Sicher ef\u00fcllt ist der Aspekt des <strong>zeit- und ortsunabh\u00e4ngigen Lernens<\/strong>. Da die App auch einen Offline-Modus hat, kann man &#8211; die n\u00f6tige technische Ausr\u00fcstung vorausgesetzt &#8211; lernen wo und wann man will. Man kann auch selber entscheiden, wie viele Module man absolvieren will oder wann man wie viel repetieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Autonomie im Bereich <strong>Wahl der Inhalte bzw. der Methoden<\/strong> ist hingegen nicht gegeben. Die einzige M\u00f6glichkeit, die man diesbez\u00fcglich hat, besteht darin, bestimmte Teile zu \u00fcberspringen (in dem man sich etwa aus einer Lektion oder einem Kapitel heraustestet oder \u00dcbersetzungs\u00fcbungen nicht macht), man kann aber nicht etwa entscheiden, dass man eine gewisse Wortschatzeinheit gar nicht lernen will oder keine Schreib\u00fcbungen machen m\u00f6chte, weil man nur das Sprechen lernen will.<\/p>\n<p>Eine Motivation, einen Sprachkurs zu machen, kann aber gerade darin bestehen, dass man sich keine Gedanken machen will, was man lernen m\u00f6chte\/soll. So gesehen muss das also kein Nachteil sein, kann aber.<\/p>\n<p>Im Bereich <strong>Evaluation<\/strong> bietet Duolingo konstante Richtig-falsch-R\u00fcckmeldungen und zwar auch f\u00fcr Lektionen, die man eigentlich schon einmal gelernt hatte oder f\u00fcr einzelne W\u00f6rter, die man trainieren will.Eine Ausnahme stellt der Bereich \u00dcbersetzung authentischer Texte dar. Dort gibt es keine verifizierten L\u00f6sungen. Wenn man einen Satz \u00fcbersetzt hat, wird man aber \u00fcber weitere \u00dcbersetzungen auf dem laufenden gehalten, was im besten Fall zu Aha-Erlebnissen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Man kann sich auch ein Sprachzertifikat austellen lassen, f\u00fcr das man allerdings mindestens 25 Lingots gesammelt haben muss. Man erh\u00e4lt dann eine Punktzahl, leider aber keine Informationen dar\u00fcber, wie die Punktzahl zustande gekommen ist bzw. was man falsch gemacht hat.<\/p>\n<h2>Brauchbar oder nicht?<\/h2>\n<p>Duolingo hat mich dazu gebracht im Verlauf von etwas mehr als 7 Wochen jeden Tag ein bisschen was f\u00fcr eine neue Sprache zu tun, obwohl ich in der Zeit zum Teil ziemlich viel anderes zu tun hatte. Die verschiedenen Methoden, mich bei der Stange zu halten (z.B. E-Mail-Remainder, Visualisierung des Lernfortschritts, Punkte f\u00fcr kontinuierliches Lernen etc.) haben funktioniert, die verschiedenen \u00dcbungsformen waren abwechslungsreich genug und \u00fcberhaupt hat mir Duolingo das Gef\u00fchl vermittelt, Fortschritte zu machen. Mitgespielt haben mag aber auch, dass Spanisch f\u00fcr jemanden mit Kenntnissen in anderen romanischen Sprachen und ziemlich viel Lateinunterricht auf dem Buckel eine Sprache ist, die man auch ohne formales Lernen schon zu relativ grossen Teilen versteht und deren W\u00f6rter sich dadurch auch leichter memorieren lassen.<\/p>\n<p>Duolingo hat selbst eine Studie zur <a href=\"http:\/\/static.duolingo.com\/s3\/DuolingoReport_Final.pdf\">Effektivit\u00e4t von Duolingo<\/a> in Auftrag gegeben. 88 Lernende (\u00fcberwiegend Anf\u00e4nger) machten am Anfang und am Ende der 8-w\u00f6chigen Testphase je einen Online-Test (WebCape), der verwendet wird, um College-Studenten in den richtigen Sprachkurs einzustufen. Der Multiple-Choice-Test ist adaptiv, das heisst, wenn man die Fragen richtig beantwortet, bekommt man schwerere Items vorgelegt, wenn nicht, leichtere (<a href=\"http:\/\/www.perpetualworks.com\/webcape\/details\">Siehe http:\/\/www.perpetualworks.com\/webcape\/details<\/a>). Fragen mit Audio gibt es nicht (<a href=\"http:\/\/www.perpetualworks.com\/webcape\/faq\">http:\/\/www.perpetualworks.com\/webcape\/faq<\/a>).<\/p>\n<p>Zwischen den beiden Einstufungstest lernten sie im Untersuchungszeitraum zwischen Total 2-133 Stunden (im Durchschnitt 22). Angestrebt war die Benutzung von Duolingo\u00a0 f\u00fcr mindestens 30 Stunden, etwas mehr als ein Viertel der Probanden hat Duolingo tats\u00e4chlich so lang oder l\u00e4nger verwendet. Im Durchschnitt wurde 70% f\u00fcr das Bearbeiten der Lektionen eingesetzt und 9% f\u00fcr die \u00dcbersetzung authentischer Texte (Duolingo Effectiveniess Study S. 11).<\/p>\n<p>Duolingo sollte das einzige Medium f\u00fcr den Spanischerwerb sein, einzelne Probanden gaben aber an, sie h\u00e4tten ab und zu Webtools benutzt, um W\u00f6rter nachzuschlagen oder zus\u00e4tzliche Informationen einzuholen bzw. sie h\u00e4tten hin und wieder spanischsprachige Videos geschaut. Die Probanden hatten alle Englisch als Muttersprache, waren mindestens 18 Jahre alt, nicht hispanoamerikanischer Herkunft und lebten in den USA. Etwa 10 Prozent von ihnen hatten Spanischsprachige im engeren Bekanntenkreis und etwas mehr als ein Viertel sprach mindestens eine andere Fremdsprache (Duolingo Effectivness Study. Final Report. S. 9f.).<\/p>\n<p>16 % der Probanden hatten beim zweiten Einstufngstest den selben oder einen tieferen Wert. Die meisten Probanden haben also Fortschritte gemacht, 23% wurden ein Semester h\u00f6her, 9% sogar zwei Semester h\u00f6her eingestuft als beim ersten Test (Wie gross der tats\u00e4chliche Fortschritt war, h\u00e4ngt aber nat\u00fcrlich vom Eingangsniveau ab). Im Durschnitt haben sich die Probanden pro Stunde Arbeit mit Duolingu um 8.1 Punkte verbessert. Der Durschnitt allein ist allerdings etwas irref\u00fchrend. Der Medianwert liegt n\u00e4mlich bei nur 4 Punkten, was bedeutet, dass die H\u00e4lfte der Teilnehmer sich um weniger oder um gleichviele Punkte wie der Medianwert verbessert haben (DES S. 14). Das unterste Viertel hat denn auch maximal 1.1 Punkte pro Stunde zugelegt, das oberste hingegen mehr als 10.4 Punkte, mit einem Maximum von 60.4 (DES S. 15).<\/p>\n<p>Leider liefert die Studie keinen Aufschluss dar\u00fcber, ob diejenigen, die l\u00e4nger gelernt haben, auch gr\u00f6ssere Fortschritte machten . Erw\u00e4hnt wird nur der Zusammenhang zwischen Eingangsniveau und Lernzuwachs: am meisten Fortschritte machten diejenigen, die am wenigsten Sprachkenntnisse mitbrachten (DES S. 17).<\/p>\n<p>Beim Lesen der Studie habe ich mir vor allem zwei Gedanken gemacht:<\/p>\n<ul>\n<li>Abbruchquote: von den urspr\u00fcnglich 196 Probanden, die den ersten Einstufungstest ablegten mehr als die H\u00e4lfte f\u00fcr weniger als 2 Stunden ben\u00fctzt. 90 haben den zweiten Test abgelegt, zwei wurden von der Studie ausgeschlossen (Test abgebrochen bzw. neben Duolingo noch einen Spanischkurs besucht, DES S. 9). Der Abbruch der Studie kann nat\u00fcrlich mehrere Gr\u00fcnde haben. Zeitmangel und fehlende Motivation f\u00fcr das Lernen einer Sprache allgemein w\u00e4ren ebenso plausibel wie die Annahme, dass diesen Lernenden die Duolingolernmethode nicht lag. Zu den Abbruchgr\u00fcnden h\u00e4tte ich gerne weitere Angaben gehabt. Aber auch aus meinen Kursen weiss ich, dass es schwierig ist, gerade von Abbrechern Daten zu erhalten.<\/li>\n<li>Die Macher der Studie kommen zum Schluss, dass jemand, der bei Null beginnt im Durchschnitt 34 Stunden (allerdings mit einem ziemlich grossen Konvidenzintervall von 26-49 Stunden) braucht, um mit Duolingo so weit zu kommen, dass er im Placementtest ins 2. Semester eingestuft wird (DFS 14). Ich weiss nun nicht genau, was in so einem Collegekurs genau gelehrt wird, hoffe aber, dass auch H\u00f6rverstehen und Sprechen eine Rolle spielen, beides Fertigkeiten, die in Duolingo nur ganz am Rande gelernt werden (in Form von Diktat und Aussprachetraining).<br \/>\nDer WebCAPE-Test postuliert in der <a href=\"http:\/\/www.perpetualworks.com\/webcape\/faq\">FAQ<\/a> (Is there a written or oral component to the exams) zwar, dass die Einstufung auch mit anderen Formen der Erhebung (z.B. m\u00fcndliche Einstufungsgespr\u00e4che) korreliere, aber ich frage mich ernsthaft, ob das auch dann der Fall ist, wenn bestimmte Fertigkeiten schlicht und einfach nicht trainiert werden. Ob die Resultate in der m\u00fcndlichen Interaktion tats\u00e4chlich vergleichbar w\u00e4ren, wage ich deshalb zu bezweifeln (Worauf das nat\u00fcrlich wie gesagt stark auf das Curriculum dieses Collegecourses ank\u00e4me).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Meiner Ansicht nach ist Duolingo ein brauchbares <strong>Wortschatzlernprogramm<\/strong>, weil es<\/p>\n<ul>\n<li>den Stoff in angemessenen Portionen pr\u00e4sentiert<\/li>\n<li>Man Lektionen durch Tests auch abk\u00fcrzen kann, so dass man nicht gezwungen ist, Dinge zu \u00fcben, die man eigentlich schon kann<\/li>\n<li>Wiederholungen leicht macht (\u00e4lterer Wortschatz wird immer wieder aufgenommen und Lektionen, die schon lange nicht mehr ber\u00fccksichtigt wurden, werden optisch hervorgehoben (durch k\u00fcrzer werdende Verlaufsbalken)<\/li>\n<li>W\u00f6rter nicht isoliert pr\u00e4sentiert, sondern immer in einem &#8211; wenn auch limitierten &#8211; Kontext (auch wenn ich mir oftmals andere Beispiels\u00e4tze gew\u00fcnscht h\u00e4tte)<\/li>\n<li>Wort und Schrift kombiniert (die Aussprache wird beim Wortschatzlernen allzu oft ignoriert)<\/li>\n<li>einigermassen angemessen fehlertolerant ist<\/li>\n<li>zumindest das Lesen authentischer Texte schon fr\u00fch einbezogen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu den Nachteilen geh\u00f6rt, dass<\/p>\n<ul>\n<li>man den Wortschatz nicht selber ausw\u00e4hlen kann und die Beispiels\u00e4tze zum Teil inhalts- und funktionsleer sind<\/li>\n<li>\u00a0das \u00dcbersetzen dazu verleiten kann, zu stark am Text zu kleben und sich auf das zu konzentrieren, was man nicht versteht, statt Erschliessungstrategien anzuwenden.<\/li>\n<li>zumindest manchmal richtige \u00dcbersetzungen nicht akzeptiert werden bzw. sehr w\u00f6rtliche favorisiert werden.<\/li>\n<li>Bewusstmachungsstrategien (z.B. im Bereich Wortbildung oder Herstellen von Bez\u00fcgen zu anderen Sprachen) fehlen bzw. nicht angeleitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ich w\u00fcrde nicht empfehlen, eine Sprache nur mit Duolingo lernen zu wollen<\/strong>. Daf\u00fcr fehlt einfach zu viel, was eine Sprache ausmacht. F\u00fcr bestimmte Lernziele (Wortschatzlernen, Texte lesen) oder\u00a0 in Kombination mit anderen Ressourcen wie z.B. <a title=\"Lernen im Tandem: Grundregeln\" href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2011\/10\/30\/lernen-im-tandem\">Tandem<\/a>, <a title=\"Lang-8: Community f\u00fcr Textkorrektur\" href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2009\/08\/12\/lang-8-community-fur-textkorrektur\">lang-8<\/a>, vereinfachten Lekt\u00fcren, Videomaterial und evtl. einem kommunikativier ausgerichteten Reisesprachkurs oder \u00e4hnlichem kann Duolingo meiner Meinung nach eine brauchbare Ressource f\u00fcr Sprachanf\u00e4nger sein.<\/p>\n<p>Interessant ist auch die Ank\u00fcndigung von Duolingo, dass schon bald ein Tool zur Verf\u00fcgung gestellt werden soll, mit dem die Nutzer an der Konzeption neuer Sprachkurse mitarbeiten k\u00f6nnen sollen. Gedacht ist das f\u00fcr weitere Sprachen. Falls man auch eigene Lektionen mit eigenem Wortschatz anlegen k\u00f6nnen sollte, f\u00e4nde ich das sehr begr\u00fcssenswert, denn Duolingo bietet mehr als ein durchschnittlicher Vokabeltrainer. Der Artikel, <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/parmyolson\/2013\/09\/25\/duolingo-takes-online-teaching-to-next-level-by-crowd-sourcing-new-languages\/\">den ich zu diesem Thema gelesen habe<\/a>, klingt zwar nicht danach, aber wer weiss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei uns im Selbstlernzentrum haben wir in letzter Zeit immer mehr Leute, die sagen, dass sie mit Duolingo (meistens Spanisch) lernen. Da man mit Duolingo auch Deutsch lernen kann und ich wissen wollte, was die Lernenden daran fasziniert und bei der Stange h\u00e4lt und ob das ganze \u00fcberhaupt etwas bringt, habe ich vor etwa sieben Wochen selber angefangen, mit Duo-Lingo eine neue Sprache und zwar ebenfalls Spanisch zu lernen, dass ich bis dato noch nie gelernt hatte.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag schildere ich den Lernprozess mit Duolingo und meine \u00dcberlegungen zu dieser Art des Lernens. Ich beziehe mich haupts\u00e4chlich auf das Spanisch-Modul, habe aber auch in die Module f\u00fcr Deutsch und Italienisch reingeschaut. Ausprobiert habe ich sowohl die Online-Version wie auch die Android-App.<br \/>\nDer Beitrag st\u00fctzt sich zum allergr\u00f6ssten Teil auf meine Erfahrungen mit dem Sprachkurs, zus\u00e4tzliche Web-Literatur habe ich aus Zeitgr\u00fcnden nur ganz vereinzelt beigezogen. Da sich Duolingo im Moment st\u00e4ndig weiterentwickelt und nicht alle User die neuen Features gleichzeitig zu sehen bekommen, ist es auch gut m\u00f6glich, dass ich etwas \u00fcbersehen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,5,11,16,3,4],"tags":[27,28,341,29,109,342,43,156,91,340],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2987"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3365,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions\/3365"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}