{"id":298,"date":"2008-01-02T00:08:29","date_gmt":"2008-01-01T23:08:29","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/01\/02\/forschung-zum-hor-sehverstehen"},"modified":"2009-09-14T13:27:13","modified_gmt":"2009-09-14T12:27:13","slug":"forschung-zum-hor-sehverstehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/01\/02\/forschung-zum-hor-sehverstehen","title":{"rendered":"Forschung zum H\u00f6r-Sehverstehen"},"content":{"rendered":"<p>In der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/llt.msu.edu\/\">Language Learning and Technology<\/a> (LL&amp;T)  findet man wissenschaftliche Artikel zum technologiegest\u00fctzten Fremdsprachenunterricht oder zur technologiegest\u00fctzten Fremdsprachenerwerbsforschung (die aktuellste Nummer vom Oktober 2007 widmet sich dem Thema  Lesen).<\/p>\n<p>In einem \u00e4lteren Beitrag (Februar 07) mit dem Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/llt.msu.edu\/vol11num1\/wagner\/default.html\">Are they watching?<\/a>&#8220; besch\u00e4ftigt sich Elvis Wagner von der Columbia University mit der Frage, ob Lernende  bei H\u00f6rverstehenstests mit Videos das Video selbst \u00fcberhaupt beachten, oder ob sie sich nur auf den auditiven Teil konzentrieren und das Video sie also eher st\u00f6rt.<\/p>\n<p>Da ein Video nonverbale Kommunikation (wie Gesten und Mimik) sichtbar macht, kommt es n\u00e4her an die meisten realen Kommunikationssituationen (Telefongespr\u00e4che und Radioh\u00f6ren etc. einmal ausgenommen) heran als die im Unterricht \u00fcblichen Tonb\u00e4nder und sollte es in den Lernenden erm\u00f6glichen, diese nonverbalen Hinweise zum Verstehen zu nutzen. Wagner hat nun untersucht, ob die Probanden das Video tats\u00e4chlich ansehen, oder ob sie sich vielmehr auf die Frageb\u00f6gen oder den auditiven Input allein konzentrieren (also zum Beispiel mit geschlossenen Augen h\u00f6ren).  Er kam zum Schluss, dass sich die Probanden in 69% der Zeit (also mehr als zwei Drittel) dem Monitor zuwenden. Das heisst allerdings noch nicht, dass sie tats\u00e4chlich auf nonverbale Hinweise achten, aber es spricht gegen die These, dass die Lernenden sich durch ein Video beim H\u00f6ren gest\u00f6rt f\u00fchlen k\u00f6nnten. Gegen diese These spricht auch, dass\u00a0 die Aufmerksamkeit gegen\u00fcber den Videos im Verlauf des Tests wider erwarten nicht ab, sondern sogar leicht zunahm (allerdings nicht signifikant). Wagner schloss daraus, dass sich die Lernenden durch das Video beim Verstehen nicht abgelenkt f\u00fchlten und es nicht nutzlos fanden. Allerdings war die individuelle Varianz zwischen den einzelnen Probanden gross. Einzelne sahen sich die Videos komplett an, andere nur in Bruchteilen (der niedrigste Prozentsatz lag bei 17%). Bei dialogischen Texten wandten sich alle Lernenden leicht h\u00e4ufiger dem Monitor zu als bei monologischen Texten (Vortrag zu einem ihnen nicht vertrauten Thema). Wagner hatte das erwartet, weil bei dialogischen (h\u00e4ufig eher emotional gef\u00e4rbten) Texten auch mehr nonverbale Hinweise vorkommen als bei einem (eher n\u00fcchternen) Vortrag.  Nonverbale Hinweise helfen dem H\u00f6rer, Sprecher und Sprecherrollen zu identifizieren, was Lernenden bei reinen H\u00f6rtexten manchmal schwer f\u00e4llt. Als weiteren m\u00f6glichen Grund f\u00fcr die st\u00e4rkere Konzentration auf das Video nannte er auch die Aussagen einiger Lernenden, dass die dialogischen Videos interessanter gewesen seien.<\/p>\n<p>Leider konnte die Studie einige wichtige Fragen nicht ber\u00fccksichtigen. Aus Datenschutzgr\u00fcnden konnte Wager nicht ermitteln,  ob Lernende, die sich auf das Video konzentrierten, besser oder schlechter abschnitten als die anderen. Auch Niveau und kultureller Hintergrund der Lernenden wurde nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Wagners Ergebnisse sind (wie oft in der Forschung) nicht wahnsinnig sexy, aber sie widersprechen auch nicht der relativ weit verbreiteten Auffassung, dass Videos durch den Einbezug des Sehens das Verstehen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Um diese These zu best\u00e4tigen, m\u00fcsste man aber tats\u00e4chlich die Testergebnisse in die Untersuchung einbeziehen. Immerhin scheinen viele Lernende den zus\u00e4tzlichen Inputkanal zu sch\u00e4tzen. Auch wenn viele der visuellen Hinweise kulturspezifisch sein sollten, w\u00e4re das meiner Meinung nach kein Grund, sie nicht zu zeigen, da auch das Interpretieren von Gesten, Mimik etc. zur Kommunikationskompetzenz geh\u00f6rt. Lernende von mir in einem Pr\u00fcfungsvorbereitungskurs, in dem es beim H\u00f6rverstehen haupts\u00e4chlich um die Textsorte Vortrag ging fanden Vortr\u00e4ge mit Video, wo sie den Sprechenden sahen, einfacher als solche ab Band, ohne visuellen Input. Sie fanden, dass die Gestik und das Bild des Sprechenden es einfacher machten, Pausen und wichtige Stellen zu erkennen und sich \u00fcber l\u00e4ngere Zeit zu konzentrieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Zeitschrift Language Teaching and Technology (LT&#038;T)  findet man wissenschaftliche Artikel zum technologiegest\u00fctzten Fremdsprachenunterricht oder zur technologiegest\u00fctzten Fremdsprachenforschung (die aktuellste Nummer vom Oktober 2007 widmet sich dem Thema  Lesen).<\/p>\n<p>In einem \u00e4lteren Beitrag (Februar 07) mit dem Titel &#8222;Are they watching?&#8220; besch\u00e4ftigt sich Elvis Wagner von der Columbia University mit der Frage, ob Lernende  bei H\u00f6rverstehenstests mit Videos das Video selbst \u00fcberhaupt beachten, oder ob sie sich nur auf den auditiven Teil konzentrieren und das Video sie also eher st\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[187,36,159,11,24,181],"tags":[166,195,197],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/298"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=298"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1488,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions\/1488"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}