{"id":269,"date":"2007-12-21T01:19:30","date_gmt":"2007-12-21T00:19:30","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2007\/12\/21\/textprasentation"},"modified":"2013-08-14T11:10:11","modified_gmt":"2013-08-14T10:10:11","slug":"textprasentation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2007\/12\/21\/textprasentation","title":{"rendered":"Textpr\u00e4sentation"},"content":{"rendered":"<p>In einem Lese- und Diskutierkurs wollte ich die bisherigen Vortr\u00e4ge durch eine Form ersetzen, die<\/p>\n<ol>\n<li>den anderen Lernenden mehr Gelegenheit bietet, auf den Vortrag zu reagieren und mitzudiskutieren und<\/li>\n<li>auch das Lesen st\u00e4rker einbezieht als bei normalen Vortr\u00e4gen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Um das <strong>erste<\/strong> Ziel zu erreichen, werden die Pr\u00e4sentationen in Kleingruppen verlegt. Jeder Pr\u00e4sentierende erh\u00e4lt eine Kleingruppe von 3 bis maximal 6 Personen zugeteilt, der er sein Thema vorstellt und f\u00fcr die er anschliessend eine Mini-Diskussion moderiert.<\/p>\n<p>Um das <strong>Lesen<\/strong> einzubeziehen, m\u00fcssen die Lernenden einen deutschsprachigen Text als Grundlage f\u00fcr die Pr\u00e4sentation ausw\u00e4hlen. Dieser Text wird vorher an alle anderen Lernenden abgegeben, die den Auftrag haben den Text zu lesen und allf\u00e4llige (sachliche als auch verst\u00e4ndnissichernde) Fragen zu notieren. Das heisst auch, dass bei der Pr\u00e4sentation die Zusammenfassung der Texte nur eine untergeordnete Rolle spielt und die Aufgabe des Pr\u00e4sentierenden vor allem darin besteht, sinnvoll zu begr\u00fcnden, warum er den Text wichtig findet oder den Text in einen gr\u00f6sseren Kontext zu stellen.<\/p>\n<h3>Auswahl und Bearbeitung der Texte<\/h3>\n<p>Grundlage der Pr\u00e4sentation ist ein deutschsprachiger Text, den jeder Lernende selber w\u00e4hlt. Kriterien f\u00fcr die Auswahl sind:<\/p>\n<ul>\n<li>die ungef\u00e4hre L\u00e4nge: Zum Beispiel 700 W\u00f6rter oder &#8222;muss auf einer A4-Seite Platz haben und in normaler Schriftgr\u00f6sse geschrieben sein&#8220;. Am besten geht es, wenn man einen Beispieltext vorgibt, der als Modell dient. Bei meinem Kurs waren alle Texte l\u00e4nger als das Minimum, die Lernenden haben lieber gl\u00fccklicherweise einen interessanten Text gesucht, als W\u00f6rter zu z\u00e4hlen, aber \u00fcberm\u00e4ssig lang war dank der Seitenbeschr\u00e4nkung auch keiner.<\/li>\n<li>Interesse: der Lernende soll das Thema interessant finden und wenn m\u00f6glich noch mehr dazuzusagen haben als im Text steht.<\/li>\n<li>Eignung f\u00fcr breites Publikum: Der Text soll nicht so komplex sein, dass er zum Verstehen spezielles Sachwissen voraussetzt und m\u00f6glichst so, dass nacher m\u00f6glichst viele der Zuh\u00f6renden zu dem Thema auch etwas sinnvolles sagen k\u00f6nnen. Mit einer ansprechenden Pr\u00e4sentation und etvt. geschickt ausgew\u00e4hlten Pr\u00e4sentationsfragen kann man das aber gut beeinflussen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum gew\u00e4hlten Text schreiben die Lernenden eine kurze Einf\u00fchrung, die den Text einordnet und helfen soll, den Text zu verstehen und sie erstellen eine Wortliste mit W\u00f6rtern aus dem Text. Bei mir mussten die Lernenden die W\u00f6rter auf deutsch erkl\u00e4ren und Beispiels\u00e4tze angeben. Zudem habe ich Angaben zur Morphologie (GEnus, Stammformen etc. verlangt). Von mir bekommen haben sie ein Musterbeispiel einer Wortliste und Angaben zu Hilfsmitteln (z.B. <a href=\"http:\/\/www.dwds.de\">DWDS<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.canoo.net\">Canoo<\/a>). Diese Unterlagen habe ich korrigiert und sp\u00e4testens eine Woche f\u00fcr der jeweiligen Pr\u00e4sentation den anderen (zusammen mit dem Text) abgegeben. Am Ende des Semesters habe ich zu diesem Wortschatz eine Pr\u00fcfung gemacht.<\/p>\n<h3>Durchf\u00fchrung<\/h3>\n<p>Pro Lektion waren immer drei Pr\u00e4sentationen geplant. Das heisst, dass ich in 6 Kurstagen 18 Leute unterbringen kann. Die Klasse wird in drei Gruppen geteilt. Jeder Pr\u00e4sentierende arbeitet mit einer Kleingruppe. Nach einer vorher angek\u00fcndigten Zeit (bei mir 10 Minuten) werden die Pr\u00e4sentationen abgebrochen, die Zuh\u00f6renden f\u00fcllen die Beratungsb\u00f6gen aus und die Pr\u00e4sentierenden wechseln die Kleingruppe. Mit der neuen Kleingruppe f\u00fchren sie die selbe Pr\u00e4sentation noch einmal durch, so dass sie die Pr\u00e4sentation insgesamt dreimal halten.<\/p>\n<h4>Ablauf einer Pr\u00e4sentation<\/h4>\n<p>Im ersten Teil (3 bis max. 5 Minuten) fasst der Pr\u00e4sentierende den Inhalt seines Textes nochmals kurz zusammen, begr\u00fcndet, warum er das Thema gew\u00e4hlt hat, was das wichtige\/spannende daran ist und stellt es evtl. in einen gr\u00f6sseren Kontext. Der Rest der Zeit ist f\u00fcr eine Diskussion des Themas reserviert. Der Pr\u00e4sentierende nimmt in diesem Teil die Funktion des Moderators ein, das heisst, dass<\/p>\n<ul>\n<li>er daf\u00fcr sorgt, dass alle zu Wort kommen<\/li>\n<li>er einige Fragen vorbereitet haben muss, falls niemand etwas zu dem Thema zu sagen hat<\/li>\n<li>er sich aus der Diskussion heraushalten soll, es sei denn, dass die Zuh\u00f6rer Verst\u00e4ndnisfragen zum Thema stellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bewertet wird sowohl die eigentliche Pr\u00e4sentation als auch die Moderation.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man ein Thema in 5 bis 7 Minuten nicht ausdiskutieren und dass sollte man von Anfang an so kommunizieren, aber die Zeit bietet den Lernenden deutlich mehr Gelegenheit, zu einem Thema Stellung zu nehmen, als es in Grossgruppen m\u00f6glich w\u00e4re. Auch Sch\u00fcchterne kommen eher zu Wort.<\/p>\n<h4>Rolle der Zuh\u00f6renden<\/h4>\n<p>Die Zuh\u00f6renden m\u00fcssen die Texte zuhause lesen und Unverst\u00e4ndliches oder auftauchende Fragen notieren. Im Unterricht m\u00fcssen Sie Feedback geben (mit vorbereiteten Bl\u00e4ttern zum Ankreuzen (Aussprache, Sprechtempo, Verst\u00e4ndlichkeit, Moderation und einigen offenen Fragen) und aktiv an der Diskussion teilnehmen. Damit die Diskussion tats\u00e4chlich stattfindet, muss zudem immer mindestens einer der Zuh\u00f6renden auf die Zeit achten und nach f\u00fcnf Minuten intervenieren, falls die eigentliche Pr\u00e4sentation bis dahin noch nicht zu Ende ist.<\/p>\n<h3>Aufwand, Nutzen , Organisatorisches<\/h3>\n<p>Jeweils drei Pr\u00e4sentationen beanspruchen ca. 35 Minuten. In meinen 90 Minuten-Lektionen bleibt also noch viel Zeit f\u00fcr anderes, die Einheit w\u00e4re aber auch in 45 Minuten unterzubringen.<\/p>\n<p>Damit alle wissen, was ich von ihnen will, f\u00fchre ich am Anfang des Semesters mit dem Plenum einen Probelauf durch. Diese Beispieldokumente und der \u00dcbungsdurchgang haben sich bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall das eine Pr\u00e4sentation ausf\u00e4llt, h\u00e4lt man am besten ein Arbeitsblatt, Spiel oder eine andere Aufgabe bereit, die eine Gruppe in 10 Minuten sinnvoll und selbst\u00e4ndig bearbeiten kann.<\/p>\n<p>Die Wiederholung ist beabsichtigt. Die Lernenden erfahren so die Wirkung des m\u00fcndlichen \u00dcbens und k\u00f6nnen sich im Lauf der Pr\u00e4sentationen verbessern. Das betrift auch die Moderationstechnik. Bisher kam das bei allen Lernenden gut an. Da die Gruppe bei jeder Pr\u00e4sentation wechselt, ist es auch nie langweilig. Lernende die sowohl Vort\u00e4rge als auch Kleingruppenpr\u00e4sentationen bei mir erlebt hatten, fanden letzteres deutlich sinnvoller.<\/p>\n<p>Ich selbst bin in jeder Runde in einer anderen Gruppe dabei und kann so jedem Pr\u00e4sentierenden einmal Feedback geben und zwar direkt nach der Pr\u00e4sentation, w\u00e4hrend die Zuh\u00f6rer den Feedbackbogen ausf\u00fcllen. Dadurch, dass ich in jeder Gruppe und bei jedem Pr\u00e4sentierenden mal dabei bin, \u00fcbe ich auch eine gewisse Kontrolle auf die Durchf\u00fchrung aus und wenn drei Gruppen an verschiedenen Stellen im Klassenzimmer diskutieren bekommt man auch immer ungef\u00e4hr mit, falls etwas schief l\u00e4uft und kann interveniern.<\/p>\n<p>Die Texte sollten am besten alle gleichzeitig abgegeben werden. Das macht das Verteilen leichter und ist auch f\u00fcr die Lehrperson einfacher, da man sonst st\u00e4ndig irgendwelchen Texten hinterherrennt.<\/p>\n<p>Der Aufwand f\u00fcr mich ist nicht ganz klein, da ich von jeder Person eine Wortschatzliste mit Hintergrundtext (der soll allerdings nur 3-5 S\u00e4tze enthalten) korrigieren und die Unterlagen an alle verteilen muss. Er lohnt sich aber, weil<\/p>\n<ul>\n<li>die Lernenden an der Auswahl der Themen beteiligt sind<\/li>\n<li>die Texte die Lernenden tats\u00e4chlich interessieren und die Zuh\u00f6renden die Chance haben einen Experten oder zumindest jemand, der sich f\u00fcr ein Gebiet wirklich interessiert auszuquetschen<\/li>\n<li>die Lernenden mehr \u00dcbung und Gelegenheit zum Sprechen bekommen<\/li>\n<li>die Lernenden Lernfortschritte selber sehen<\/li>\n<li>die Wortschatzarbeit individualisiert wird und das selbst\u00e4ndige Lernen gef\u00f6rdert wird<\/li>\n<li>die Lernenden Hilfsmittel zur Selbst\u00e4ndigen Wortschatzarbeit kennenlernen<\/li>\n<li>man deutlich sieht, welche W\u00f6rter Schwierigkeiten machen<\/li>\n<li>die Lehrperson etliche Texte erh\u00e4lt, die sie selbst nie ausgew\u00e4hlt h\u00e4tte, aber auch andere Klassen durchaus interessieren k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>die Lehrperson hat Zeit f\u00fcr Einzelbetreuung, w\u00e4hrend alle sinnvoll besch\u00e4ftigt sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: N\u00e4chstes Semester mache ich das wieder.<\/p>\n<p>PS: So kompliziert wie sich das hier anh\u00f6rt, ist es \u00fcbrigens nicht &#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in diesem Beitrag beschriebne \u00dcbungsform ist eine Alternative zu normalen Vortr\u00e4gen und bezieht auch das Lesen und den Wortschatzerwerb mit ein.<\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[159,11,26,33,41,4],"tags":[29,30,333,10],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=269"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2990,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/2990"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}