{"id":260,"date":"2007-06-16T09:44:06","date_gmt":"2007-06-16T08:44:06","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2007\/06\/16\/kummerkasten"},"modified":"2007-06-16T09:48:08","modified_gmt":"2007-06-16T08:48:08","slug":"kummerkasten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2007\/06\/16\/kummerkasten","title":{"rendered":"Kummerkasten"},"content":{"rendered":"<p>Das Schreiben im DaF-Unterricht krankt oft daran, dass der Adressat fehlt oder unklar ist. Das macht es schwieriger, einen guten Text zu schreiben. Oft heisst es auch, dass das Publikum f\u00fcr den Text fehlt (beziehungsweise nur aus der Lehrperson besteht), was f\u00fcr die Schreibmotivation (und indirekt auch f\u00fcr die Textqualit\u00e4t) eher nachteilig ist. Weil es nicht m\u00f6glich (und auch nicht w\u00fcnschbar) ist, nur Texte zu schreiben, die einen direkten praktischen Alltagsbezug haben (wie zum Beispiel Briefe an Beh\u00f6reden oder Anfragen), muss man das Publikum zuweilen schaffen. Gut geht das mit zweiteiligen \u00dcbungsformen, bei denen die Lernenden je einmal in der Adressaten- und  in der Schreiberrolle sind.<\/p>\n<p>Der <strong>Kummerkasten<\/strong> ist eine Ratgeberkolumne, wo man Rat f\u00fcr alle m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Probleme bekommt. Die Lernenden schreiben ein fiktives Problem, zu dem sie eine Antwort m\u00f6chten, auf ein A4-Blatt.  Diesen Zettel geben sie der Lehrperson, die ihnen daf\u00fcr ein Problem eines anderen Lernenden aush\u00e4ndigt. Dazu schreiben sie jetzt eine Antwort auf dasselbe Blatt.<\/p>\n<p>Damit das ganz reibungslos funktioniert, gibt es ein paar Punkte, die man beachten muss.<\/p>\n<ol>\n<li>Man erreicht bessere Resultate, wenn man den Lernenden Redemittel vorgibt, die sie f\u00fcr so eine Aufgabe benutzen k\u00f6nnen. F\u00fcr den Kummerkasten sind das Wendungen wie\n<ul>\n<li>Wenn ich Sie w\u00e4re, w\u00fcde ich &#8230;<\/li>\n<li>An Ihrer Stelle w\u00fcrde ich &#8230;<\/li>\n<li>Sie sollten unbedingt &#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich gebe die Redemittel in der Regel in der vorangehenden Lektion als Hausaufgaben.<\/li>\n<li>Zur Einf\u00fchrung der \u00dcbung gibt man am besten ein Beispiel vor. In meinem Fall sah das so aus:<br \/>\n<blockquote><p>Liebes Kummerkasten-Team<\/p>\n<p>Ich brauche dringend eure Hilfe. Ich bin mit meinem Leben nicht zufrieden. Alles dreht sich nur um\u2019s Geld, ist oberfl\u00e4chlich und hektisch. Ich denke daran, meinen Job zu k\u00fcndigen, meine Aktien zu verkaufen und in ein Kloster zu gehen. Weil das aber doch ein grosser Schritt ist, h\u00e4tte ich gern euren Rat. Was soll ich tun?<\/p>\n<p>Ich hoffe wirklich, dass ihr mir helfen k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Cornelia<\/p><\/blockquote>\n<p>Das illusitriert die Aufgabe und zeigt den Lernenden, dass es bei der \u00dcbung nicht um Probleme gehen soll, auf die man wirklich eine ernsthafte Antwort haben will.<\/li>\n<li>Nicht alle Lernenden schreiben gleich schnell. Damit keine unn\u00f6tigen Wartezeiten entstehen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:\n<ul>\n<li>Die Lehrperson schreibt selber ein Problem auf. Der erste Lernende, der sein Problem fertig hat, bekommt dieses Problem zum beantworten. Der zweite bekommt dasjenige des ersten etc. Am Schluss beantwortet der Lehrer das Problem des letzten. So sind alle immer am Schreiben.<\/li>\n<li>F\u00fcr diejenigen, die mit dem Beantworten des Problems fertig sind, gebe ich eine Br\u00fcckenaufgabe (zum Beispiel das L\u00f6sen der Hausaufgaben beginnen).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Trotzdem sollte man aber ungef\u00e4hre Zeitvorgaben geben (zB. 7 Minuten f\u00fcr Frage, 15 f\u00fcr Antwort). In der Realit\u00e4t brauchen dann die meisten etwas l\u00e4nger &#8211; was auch nichts macht &#8211; aber wenn man zeitlich gar nicht steuert, werden die Unterschiede zu gross.<\/li>\n<li>Bei Wortschatz- und Verst\u00e4ndnisproblemen hilft entweder die Lehrperson oder der Fragesteller selbst. Deshalb m\u00fcssen die Fragestellter ihren Namen auf das Blatt schreiben (sie m\u00fcssen aber nicht als sich selbst unterschreiben. Der Name dient nur der Identifikation.)<\/li>\n<li>Wenn alle fertig sind, wird die Klasse in Gruppen von 4-5 Personen eingeteilt. Jeder liest die ihm gestellte Frage und seine Antwort darauf vor. Es ist wichtig, ein bisschen Zeit einzuplanen, damit alle das Vorlesen ein bisschen vorbereiten k\u00f6nnen. Die Zuh\u00f6rer d\u00fcrfen und sollen r\u00fcckfragen, wenn sie etwas akkustisch oder inhaltlich nicht verstanden haben.<br \/>\nAlternativ kann man auch alle Bl\u00e4tter aufh\u00e4ngen und den Lernenden Zeit zum stillen Lesen geben.<\/li>\n<li>Als Abschluss der \u00dcbung erh\u00e4lt jeder seine Frage\/ sein Problem mit der Antwort darauf zur\u00fcck. Das wird in der Regel sehr gesch\u00e4tzt. Damit das klappt, braucht man den Namen des Fragestellers und die Lehrperson muss die Frage des letzten Lernenden beantworten (oder den schnellsten zweimal schreiben lassen).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Prinzip eignet sich f\u00fcr viele verschiedene Schreibautr\u00e4ge zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Kontaktanzeigen und Reaktionen darauf<\/li>\n<li>Stellenanzeigen und Bewerbungsschreiben<\/li>\n<li>Beschwerden\/Reklamationen und Antworten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Manchmal ist es sinnvoll, die \u00dcbungsform ein bisschen zu variieren. Zum Beispiel kann man die Stellenanzeigen von Gruppen schreiben lassen. Die Anzeigen werden zwischen den verschiedenen Gruppen ausgetauscht. Die Bewerbung schreiben die Gruppenmitglieder dann aber individuell. Das heisst, dass jede Gruppe 4-5 Bewerbungen f\u00fcr die selbe Stelle erh\u00e4lt. Aus diesen Bewerbungen w\u00e4hlt jede Gruppe einen Kandidaten aus. Im Plenum pr\u00e4sentiert dann jede Gruppe die ausgeschriebene Stelle und ihren Wunschkandidaten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die oben beschriebenen \u00dcbungsformen sollte man inklusive Erkl\u00e4rung und Auswertung mindestens eine Lektion (45 Minuten) zur Verf\u00fcgung haben. Je nach Komplexit\u00e4t der Aufgabe auch mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schreiben im DaF-Unterricht krankt oft daran, dass der Adressat fehlt oder unklar ist. Das macht es schwieriger, einen guten Text zu schreiben. Oft heisst es auch, dass das Publikum f\u00fcr den Text fehlt (beziehungsweise nur aus der Lehrperson besteht), was f\u00fcr die Schreibmotivation (und indirekt auch f\u00fcr die Textqualit\u00e4t) eher nachteilig ist. 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