{"id":258,"date":"2008-06-11T19:33:39","date_gmt":"2008-06-11T18:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/06\/11\/diskussion-mit-publikum"},"modified":"2013-08-14T11:09:40","modified_gmt":"2013-08-14T10:09:40","slug":"diskussion-mit-publikum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2008\/06\/11\/diskussion-mit-publikum","title":{"rendered":"Diskussion mit Publikum"},"content":{"rendered":"<p>Im Sprachunterricht ist es wichtig, dass die Lernenden auch mal l\u00e4nger einzeln zu Wort kommen. Auf diese Weise \u00fcben sie, mehr als nur 3 zusammenh\u00e4ngende S\u00e4tze auf Deutsch zu sprechen. Nat\u00fcrlich kann man das auch in Gruppenarbeit \u00fcben, aber das Bewusstsein, das auch vor Publikum, also gewissermassen \u00f6ffentlich, geschafft zu haben, gibt Selbstvertrauen und das ist beim Sprechen einer Fremdsprache ganz wichtig. Wenn man einzelnen Sch\u00fclern in der Klasse mehr Raum gibt, geht das allerdings auf Kosten der Sprechzeit anderer. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen diese auch vom Zuh\u00f6ren etwas lernen, aber das ist nicht allen klar. Deshalb ist es manchmal sinnvoll, den Zuh\u00f6renden ebenfalls Aufgaben zu geben.<\/p>\n<p>Deshalb habe ich mich f\u00fcr folgende \u00dcbungsform entschieden:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Klasse wird in Kleingruppen eingeteilt :3 (notfalls 2 oder 4) Gruppen \u00e0 5 bis 6 Personen.<\/li>\n<li>Jede Gruppe einigt sich auf ein Diskussionsthema von einer Liste oder darf selber ein Thema w\u00e4hlen.<\/li>\n<li>Jede Gruppe einigt sich auf Rollen. In jeder Gruppe gibt es einen Moderator\/Diskussionsleiter und wenn m\u00f6glich gleich viele Pro- und Kontraleute.<\/li>\n<li>Die Gruppen bereiten ihre Diskussion vor. Das heisst, sie suchen gemeinsam nach Argumenten (und damit auch nach dem ben\u00f6tigten Wortschatz), der Moderator \u00fcberlegt sich gemeinsam mit der Gruppe, wie er die Diskussion er\u00f6ffnen soll und falls noch Zeit bleibt, kann die Gruppe auch einen Probelauf starten.<\/li>\n<li>Jetzt beginnt die Diskussionsphase: eine Gruppe setzt sich vor die Klasse (Expertenpodium). Der Moderator gibt eine ganz kurze Einf\u00fchurung und l\u00e4sst dann die einzelnen Vertreter kurz zu Wort kommen. Kurz vor Ablauf der Zeit fasst er die wichtigsten Ergebnisse nochmals zusammen.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend der Diskussion machen sich die anderen Gruppen nach gewissen Vorgaben Notizen, zum Beispiel notiert die H\u00e4lfte jeder Gruppe alle Pro-, die ander H\u00e4lfte alle Kontraargmumente.<\/li>\n<li>Nach der Diskussion bekommt die diskutierende Gruppe direkt ein kurzes Feedback von mir. Die anderen Gruppen werten in dieser Zeit ihre Notizen aus und geben dann selber eine kurze R\u00fcckmeldung. Wenn Sie, wie oben beschrieben die Argumente notiert haben, kann die R\u00fcckmeldung zum Beispiel festhalten, welche Gruppe ihrer Meinung nach die besseren Argumente hatte.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen zur Durchf\u00fchrung:<\/h3>\n<ul>\n<li>F\u00fcr die Vorbereitung (Ablauf der \u00dcbungsform, Gruppenbildung, Themenfindung, Rollenverteilung und \u00dcbungsphase rechne ich insgesamt 15 bis max. 25 Minuten. Die eigentliche Durchf\u00fchrung (Diskussionen und Feedbackrunden braucht nochmals 30 bis 45 Minuten).<\/li>\n<li>Im Prinzip reicht es, wenn die Lernenden wissen, ob sie eine Pro- oder eine Kontraposition vertreten. H\u00e4ufig ist es aber (auch bei erwachsenen Lernenden) sehr n\u00fctzlich, wenn jede Person einen Namen und minimale biographische Informationen erh\u00e4lt. Das gibt der Diskussion mehr Kontext (ein Arzt hat eine ganz andere Sicht auf das Thema Abtreibung als ein Pfarrer oder eine junge Mutter) und macht es den Lernenden auch leichter, aus einer Perspektive zu diskutieren, die nicht ihre eigne ist. In diesem Fall geh\u00f6rt es zu den Aufgaben des Moderators dazu, am Anfang der Diskussion alle Beteiligten mit ihren Rollen kurz vorzustellen. Karten mit Namensschildern sind n\u00fctzlich, aber nicht zwingend.<\/li>\n<li>Ich lasse das Thema der Diskussion immer relativ frei, gebe zwar ein paar m\u00f6gliche Themen vor, damit die Lernenden nicht bei Null anfangen m\u00fcssen, akzeptiere aber auch Anpassungen am Thema oder ein v\u00f6llig anderes Thema. Diese Diskussionen werden oft die besten. Wichtig ist nur, dass man den Lernenden eine klare Zeitlimite zur Themenfindung und einen Ausgangspunkt (eben zum Beispiel eine Themenliste) gibt und notfalls eingreift, damit nicht die anderen Gruppen warten m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Damit ich zeitlich durchkomme, bin ich bei den Zeiten relativ streng. Ich sage den Gruppen vorher, wie lange sie diskutieren d\u00fcrfen. Nach dieser Zeit wird abgebrochen, egal an welchem Punkt die Diskussion ist. Wenn man das vorher kommuniziert, wird das akzeptiert. Schliesslich wollen alle drankommen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Nutzen der \u00dcbungsform:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die einzelnen Lernenden sprechen viel: In der Vorbereitung, w\u00e4hrend ihrer eigenen Diskussion, bei der Vorbereitung der Auswertung und einzelne bei der Auswertung selbst.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend der Diskussionen der anderen Gruppen, haben die anderen einen gezielten H\u00f6rauftrag und \u00fcben, Notizen zu machen oder versuchen zumindest, sich so viel wie m\u00f6glich zu merken. Dadurch konzentrieren sich sich auch eher auf das Gesagte, statt an irgendwas anderes zu denken.<\/li>\n<li>Dass die Lernenden selber Einfluss auf das Thema haben, hat meistens eine positive Wirkung. Das kann man noch verst\u00e4rken, indem die Gruppen sich nach Interesse finden k\u00f6nnen. Man muss als Lehrperson aber darauf achten, dass die Gruppen einigermassen ausgeglichen sind.<\/li>\n<li>Weil die Diskussionszeit beschr\u00e4nkt ist, kann man gut einzelne Aspekte anschauen, zum Beispiel Einsatz von Redemitteln, \u00dcberleitungen etc. Einzelne Aspekte kann man auch an die Zuh\u00f6rer delegieren. Das lohnt sich vor allem dann, wenn man diese Aspekte vorher gezielt thematisiert hat.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sprachunterricht ist es wichtig, dass die Lernenden auch mal l\u00e4nger einzeln zu Wort kommen. Auf diese Weise \u00fcben sie, mehr als nur 3 zusammenh\u00e4ngende S\u00e4tze auf Deutsch zu sprechen. Nat\u00fcrlich kann man das auch in Gruppenarbeit \u00fcben, aber das Bewusstsein, das auch vor Publikum, also gewissermassen \u00f6ffentlich, geschafft zu haben, gibt Selbstvertrauen und das ist beim Sprechen einer Fremdsprache ganz wichtig. Mit dieser \u00dcbungsform kann man beides kombinieren. Zudem erhalten auch die Zuh\u00f6rer eine Aufgabe, wodurch sie genauer und konzentrierter zuh\u00f6ren. <\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[159,11,24,33,41],"tags":[29,30,333,47,10],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=258"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2734,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions\/2734"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}