{"id":2363,"date":"2011-04-13T21:34:17","date_gmt":"2011-04-13T20:34:17","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=2363"},"modified":"2014-04-13T16:11:09","modified_gmt":"2014-04-13T15:11:09","slug":"sprechen-planen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2011\/04\/13\/sprechen-planen","title":{"rendered":"Sprechen planen"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute aufr\u00e4umen. Dabei ist mir der Tagungsband der ersten gesamtschweizerischen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer im Jahr 2006 in die H\u00e4nde geraten. Sie hatte das Thema Sprechen als Fokus &#8211; und zwar sowohl das Sprechen im Unterricht als auch das Sprechen \u00fcber DaZ und DaF. Da das Thema Sprechen im Blog eher etwas untervertreten ist und ich schon lange mal wieder einen Fachartikel zitieren wollte, gebe ich im Folgenden die (f\u00fcr mich) wichtigsten Aussagen und Thesen des Beitrags &#8222;Sprachproduktion als Planung: Ein Beitrag zur Psychologie und Didaktik des Sprechens von Diester Wolff wieder. Da der Artikel inzwischen Online zug\u00e4nglich ist, verzichte ich aber auf eine ausf\u00fchrliche Zusammenfassung. Die Literaturangaben findet ihr am Ende des Beitrags.<\/p>\n<p><strong>Aussagen \/ Thesen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Unterschiede zum Schreiben [S. 65]:\n<ul>\n<li>Interaktion mit Kommunikationsparter m\u00f6glich (nachfragen) bzw. n\u00f6tig (Reaktion auf \u00c4usserungen des Gespr\u00e4chspartners)<\/li>\n<li>wenig Zeit f\u00fcr die Planung von \u00c4usserungen vorhanden, da die Kommunikation sonst abbrechen kann.<\/li>\n<li>Sprachnormen sind weniger rigide (Grammatik, regionalgef\u00e4rbter Sprachgebrauch etc.) und \u00c4usserungen oft weniger komplex aufgebaut. Fehler, Br\u00fcche und Korrekturen kommen auch bei Muttersprachlern vor.<\/li>\n<li>Nonverbale \u00c4usserungen (Mimik, Gestik) und Bezugnahme auf die Kommunikationsituation sinf h\u00e4ufig.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Erkenntnisse der psycholinguistischen Sprechforschung [Kap. 3.1, S. 68f.]\n<ul>\n<li>Lernende ben\u00f6tigen f\u00fcr die Planung ihrer \u00c4usserungen mehr Zeit und versuchen deshalb, ihre Sprache zu verlangsamen durch:\n<ul>\n<li>mehr Pausen<\/li>\n<li>geringeres Artikulationstempo.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Lernende formulieren \u00c4ussrungen in der Muttersprache vor\n<ul>\n<li>Grund: Formulierungsverm\u00f6gen in L2 noch nicht automatisiert und Aussagem\u00f6glichkeiten begrenzt.<\/li>\n<li>Problem: Sprachkompetenz in der L2 reicht meistens nicht f\u00fcr \u00dcbersetzungen aus der Muttersprache.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Inselwissen (= als ganzes abgespeicherte Chunks) schafft Pausen zum Denken.<\/li>\n<li>Inhalte werden reduziert, damit sie mit den beschr\u00e4nkten Mitteln der Fremdsprache ausgedr\u00fcckt wrden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Erkenntnisse der Zweitspracherwerbsforschung [Kap. 3.2, S. 69f.]\n<ul>\n<li>Lernende setzen verschiedene Kommunikationsstrategien ein:\n<ul>\n<li>Reduktionsstrategien\n<ul>\n<li>funktional &#8211;&gt; Steuerung der Kommunikation (z.B. Themenvermeidung)<\/li>\n<li>formal &#8211;&gt; Vereinfachung seiner \u00c4usserungen (= Sagen, was man kann)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Achievmentstrategien\n<ul>\n<li>Kompensationsstrategien (z.B. umschreiben von W\u00f6rtern)<\/li>\n<li>Retrivalstrategien (z.B. Kommunikationspartner nach Regeln oder Wortbedeutungen fragen)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>F\u00f6rderung von Sprachverarbeitungsprozessen [Kap. 4.1, S. 70f]\n<ul>\n<li>produktorientierte F\u00f6rderung\n<ul>\n<li>Verbesserung der Produkte im Zentrum<\/li>\n<li>meistens nur in Bezug auf sprachliche Fehler und nicht auch f\u00fcr das Planungsverhalten<\/li>\n<li>Problem: Lernender konzentriert sich beim Sprechen auf die Planung und hat keine Kapazit\u00e4ten, um die Korrektur der Lerhperson verarbeiten zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Problem: Leher kann sich nur schlecht gleichzeitig auf Form und inhalt konzentrieren.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>prozessorientierte F\u00f6rderung\n<ul>\n<li>Teilprozesse werden isoliert gef\u00f6rdert &#8211;&gt; prozedurale Erleichterng (procedural facilitation) nach Bereiter\/Scaramalia 1987<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Sprechprozess unterst\u00fctzen [71f.] durch\n<ul>\n<li>Bereitstellen von Schl\u00fcsselw\u00f6rtern und Ger\u00fcste (auf Basis der Sprechabsicht oder auf Grund eines Textes zum Thema)<\/li>\n<li>Auswendiglernen von Inselwissen (= Chunks oder Redemittel) zur Erh\u00f6hung der Planungszeit f\u00fcr andere \u00c4usserungsteile<\/li>\n<li>Bewusstmachen von Kommunikationsstrategien (siehe oben)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Leider bleibt der diaktische Teil (S. 70-73) etwas vage. Auf Seite 73 werden einige konkretere Verfahren zur Sprechf\u00f6rderung im Unterricht stichwortartig erw\u00e4hnt und es wird auf einen weiterf\u00fchrenden Artikel verwiesen.\u00a0 Ich habe wie gesagt nur die wichtigsten Punkte hervorgehoben (der theoretische Teil vom Anfang fehlt in meinen Notizen). Im Zweifelsfall bitte selber lesen \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>Literaturangaben<\/strong><\/p>\n<p>Wolff, Dieter: Sprachproduktion als Planung: Ein Beitrag zur Psychologie und Didaktik des Sprechens. In: Clal\u00fcna, Monika; Studer, Thomas (Hrsg.): Deutsch im Gespr\u00e4ch. Sprechen im DaF- \/ DaZ-Unterricht. Sprechen \u00fcber DaF \/ DaZ in der Schweiz. Akten der Gesamtschweizerischen Tagung f\u00fcr Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer 22. und 23. September 2006. Stallikon 2007, S. 63-74.<\/p>\n<p>Restexemplare des Tagungsbandes kann man noch f\u00fcr 15 Fr. bei <a title=\"Opens window for sending email\">monika_claluna(at)akdaf.ch<\/a> bestellen. Inzwischen kann man die <a href=\"http:\/\/www.dafdaztagung.ch\/index.php?id=42\">Beitr\u00e4ge aber auch als Pdf <\/a>herunterladen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute aufr\u00e4umen. Dabei ist mir der Tagungsband der ersten gesamtschweizerischen Tagung derDeutschlehrerinnen und Deutschlehrer im Jahr 2006 in die H\u00e4nde geraten. Sie hatte das Thema Sprechen als Fokus &#8211; und zwar sowohl das Sprechen im Unterricht als auch das Sprechen \u00fcber DaZ und DaF. Da das Thema Sprechen im Blog eher etwas untervertreten ist und ich schon lange mal wieder einen Fachartikel zitieren wollte, gebe ich im Folgenden die (f\u00fcr mich) wichtigsten Aussagen und Thesen des Beitrags &#8222;Sprachproduktion als Planung: Ein Beitrag zur Psychologie und Didaktik des Sprechens von Diester Wolff wieder. <\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[187,11,33,181,88],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2363"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2363"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3211,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2363\/revisions\/3211"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}