{"id":2060,"date":"2010-06-20T10:57:14","date_gmt":"2010-06-20T09:57:14","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/?p=2060"},"modified":"2010-06-24T09:56:09","modified_gmt":"2010-06-24T08:56:09","slug":"horgrammatik-morphologie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2010\/06\/20\/horgrammatik-morphologie","title":{"rendered":"H\u00f6rgrammatik: Morphologie"},"content":{"rendered":"<p>Das H\u00f6rverstehen treibt mich schon l\u00e4nger um. Das kann man unter anderem an der Anzahl der Beitr\u00e4ge ablesen, die in dieser Kategorie ver\u00f6ffentlicht wurden. Der eigentliche Knackpunkt ist f\u00fcr mich, dass ich das Gef\u00fchl habe, dass H\u00f6rverstehen in Lehrwerken &#8211; und damit auch im Unterricht &#8211; oft eher getestet als unterrichtet wird. Ich hatte oft den Eindruck, dass sich meine Klasse in zwei Teile teilt: in die, die es schon k\u00f6nnen und in die anderen. Lehrwerke mit aufbauenden \u00dcbungen kenne ich wenige, es sind oft die immer gleichen Formate wie Multiple-Choice oder Richtig-Falsch, mit denen man sowohl \u00fcbt als auch pr\u00fcft.<br \/>\nMeine Bem\u00fchungen, passende Alternativen zu finden, haben meine \u00dcberlegungen in zwei ziemlich unterschiedliche Richtungen gef\u00fchrt: einerseits wie man H\u00f6ren &#8211; jenseits von Multiplechoice und Distraktoren &#8211; m\u00f6glichst authentisch gestalten und in handlungsorientierte Aufgaben einbetten kann und andererseits wie man bestimmte Mikroprozesse des H\u00f6rens &#8211; oder genauer des Dekodierens &#8211; \u00fcben kann.<br \/>\nHeute ver\u00f6ffentliche ich einen weiteren Beitrag zum Dekodieren.  Thema sind die unterschiedlichen Formen von W\u00f6rtern.<\/p>\n<p><strong>Begr\u00fcndung f\u00fcr formorientierte H\u00f6r\u00fcbungen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Dekodieren sind vor allem zwei Aspekte relevant:<\/p>\n<ul>\n<li> Bei unregelm\u00e4ssigen Formen kann es passieren, dass ein Lernender nicht erkennt, zu welchem Lexem eine bestimmte Wortform geh\u00f6rt. Wenn er zum Beispiel &#8222;blieb&#8220; h\u00f6rt und die Verbindung zu &#8222;bleiben&#8220; nicht herstellen kann, ist m\u00f6glich, dass er deswegen den ganzen Satz nicht versteht (oder mehr M\u00fche damit hat). Normalerweise lernt man die Formen einfach auswendig. Das bedeutet aber nicht immer, dass man die gew\u00fcnschte Verbindung bei Bedarf tats\u00e4chlich herstellen kann. Mit gezielten \u00dcbungen kann man das Abrufen unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Bei den regelm\u00e4ssigen Formen sind es oft nur ganz kleine Unterschiede, die die verschiedenen Worformen (und damit ihre Funktionen) von einander abheben. Beispiele sind Pr\u00e4sens und Pr\u00e4teritum (lernte \/ lernte; mache\/machte), Positiv und Komparativ (klein\/kleiner), Singular und Plural (Hund\/Hunde, Konsequenz\/Konsequenzen, Auto\/Autos). Im Kontext eines Satzes oder eines Textes sind diese Informationen zwar h\u00e4ufig mehrfach kodiert (Zeitangaben f\u00fcr das Tempus, Kongruenz mit dem Verb f\u00fcr den Numerus von Subjekten, als als Hinweis f\u00fcr Komparativ &#8230;), aber ich finde, es lohnt sich, die Aufmerksamkeit einmal ganz bewusst auf diese minimen Unterschiede zu lenken. Erstens ist es immer gut, wenn sich grammatisches Regelwissen konkretisiert (wenn man also nicht einfach nur ein Paradigma lernt, sondern &#8211; zumindest am Anfang &#8211; konkrete Beispiele daf\u00fcr abspeichert). Zweitens verspreche\u00a0 ich mir davonauch positive Auswirkungen auf die Produktion. Bei der Aussprache zeigt sich oft, dass man Unterschiede, die man nicht wahrnimmt, auch nicht produziert. Aufgaben, bei denen die Lernenden die Funktion im Satz aufgrund der h\u00f6rbaren Form unterscheiden m\u00fcssen, machen die\u00a0 Bedeutung solcher Unterschiede bewusst und erh\u00f6hen somit die Chance, dass sie auch produziert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Beispiele<\/strong><\/p>\n<p>Die untenstehnden Beispiele setze ich vorwiegend\u00a0 in einem B2-Kurs ein, um zu sehen, wo in der jeweiligen Klasse Probleme liegen und um\u00a0 Grundlagen implizit zu wiederholen bzw. ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckzuholen. Deshalb sind viele \u00dcbungen (zum Beispiel die Pluralformen) etwas durchgemischt. Auf tieferen Niveaus m\u00fcsste man da einiges aussortieren und die Ziele der \u00dcbungen vereinheitlichen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Pluralformen erkennen<\/span><\/p>\n<p>Du h\u00f6rst je 10 S\u00e4tze mit einem Nomen im Plural (evtl. gibt es auch andere Nomen).<br \/>\nNotiere den Singular.<\/p>\n<p>a) [audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/Pluralformen\/pluralformena.MP3|titles=Pluralformen a|artists=Cornelia Steinmann]. Seite im Webarchiv: http:\/\/www.archive.org\/details\/Pluralformen<\/p>\n<p>b) [audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/PluralformenB\/Pluralformenb.MP3|titles=Pluralformen B|artists=Cornelia Steinmann] Seite im Webarchiv: http:\/\/www.archive.org\/details\/PluralformenB<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Unregelm\u00e4ssige Pr\u00e4teritumsformen beim H\u00f6ren erkennen<\/span><\/p>\n<p>Du h\u00f6rst 10 S\u00e4tze, mit je einem Verb im Pr\u00e4teritum. Notiere dieses Verb im Infinitiv. Beispiel: Er ging nie zu Fuss &#8211;&gt; gehen<br \/>\n[audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/PraeteritutumformenHoeren\/praeteritum_hoeren.MP3|titles=Pr\u00e4teritumformen h\u00f6ren|artists=Cornelia Steinmann]<br \/>\nSeite im Webarchive: http:\/\/www.archive.org\/details\/PraeteritutumformenHoeren<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Pr\u00e4sens \/ Pr\u00e4teritum unterscheiden<\/span><\/p>\n<p>Du h\u00f6rst 10 S\u00e4tze. Entscheide, ob die Handlung von jedem Satz in der Vergangenheit (V) oder in der Gegenwart oder Zukunft (GZ) spielt.<br \/>\n[audio: http:\/\/www.archive.org\/download\/PraeteritumOderPraesens\/praetoderpraes.MP3]<br \/>\nSeite im Webarchive: http:\/\/www.archive.org\/details\/PraeteritumOderPraesens<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Komparative und Superlative<\/span><\/p>\n<p>a) Du h\u00f6rst 5 S\u00e4tze. Notiere die Komparative (gr\u00f6sser, mehr, billiger, &#8230;), die du h\u00f6rst.<br \/>\n[audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/Komparativ\/komparativjanein.MP3]<br \/>\nSeite im Webarchive: http:\/\/www.archive.org\/details\/Komparativ<\/p>\n<p>b) Du h\u00f6rst 5 S\u00e4tze. Notiere die Superlative (gr\u00f6sste, am gr\u00f6ssten), die du h\u00f6rst.<br \/>\n[audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/Superlativ\/superlativjanein.MP3]<br \/>\nWebseite im Webarchive: http:\/\/www.archive.org\/details\/Superlativ<br \/>\nc) Du h\u00f6rst 5 S\u00e4tze mit je einem Adjektiv im Komparativ (gr\u00f6sser) oder im Superlativ (gr\u00f6sste, am gr\u00f6ssten). Notiere den Positiv (gross).<br \/>\n[audio:http:\/\/www.archive.org\/download\/KomparativUndSuperlativ\/kompsuperlativ.MP3]<br \/>\nWebsite im Webarchive: http:\/\/www.archive.org\/details\/KomparativUndSuperlativ<\/p>\n<p>Alle L\u00f6sungen sind hier zu finden: <a href=\"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/dafbloghoergrammatik.pdf\">L\u00f6sungen H\u00f6rgrammatik<\/a><\/p>\n<p><strong>Im Unterricht<\/strong><\/p>\n<p>Solche \u00dcbungsformen brauchen wenig Zeit, sowohl zum Vorbereiten wie beim Durchf\u00fchren. Ein paar Minuten reichen (und es w\u00e4re auch kaum sinnvoll, ganze Stunden mit solchen \u00dcbungen zu f\u00fcllen). Die \u00dcbungen k\u00f6nnen problemlos an jedes Thema angepasst werden und die Lehrperson kann sie dann gleich selber vorlesen. Man kann aber auch die Lernenden einbeziehen. Zum Beispiel so:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Lernenden erhalten Zettel und ein paar Minuten Zeit, um nach vorgegebenen Kriterien (zum Beispiel muss ein Nomen im Plural enthalten, muss ein Verb im Pr\u00e4teritum enthalten, &#8230;) einige S\u00e4tze zu formulieren. Die Lehrperson sammelt die Zettel ein und liest sie der Klasse als \u00dcbungsmaterial vor. Dabei kann sie Fehler gleich wegkorrigieren oder auch mal einen Satz ausfiltern.<\/li>\n<li>Die Lehrperson stellt zwei Listen mit S\u00e4tzen zu einem \u00dcbungsthema zusammmen. Falls die Lernenden etwas umwandlen m\u00fcssen (z.B. Pr\u00e4teritumsform in Infinitiv), wird auf der Liste auch die L\u00f6sung notiert. Die Lernenden arbeiten zu zweit, erhalten aber zwei verschiedene Listen. Sie lesen sich die S\u00e4tze gegenseitig vor. Der Zuh\u00f6rende notiert das gesuchte Element. Die Liste des Vorlesenden dient als Schl\u00fcssel.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, wenn man mit Originals\u00e4tzen von anderen Sprechern arbeiten k\u00f6nnte, aber das vervielfacht die Arbeit (geeignete S\u00e4tze suchen, schneiden etc.) und macht die \u00dcbungen weniger flexibel einsetzbar.<\/p>\n<p><strong>Material- und Literaturempfehlungen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Je eine \u00dcbung zu unregelm\u00e4ssigen Pr\u00e4teritums- und Pluralformen findet man in: &#8222;Turtur, Ursula: \u00dcbungen zum Wortschatz der deutschen Schriftsprache. Meckenheim 2006&#8220;.<\/li>\n<li>In: &#8222;Fickler, Jules; Steinacher, Martin: H\u00f6rverst\u00e4ndnis. \u00dcbungen und Test f\u00fcr die Mittelstufe. Winterthur 2007&#8220; findet man \u00dcbungen zu den Zeitformen (allerdings geht es da um die Benennung der Tempora, nicht um die grammatische Funktion). Das Buch richtet sich an Sch\u00fcler der oberen Klassen der Primarschule (=Grundschule) und zwar nicht spezifisch an DaZ-KInder.<\/li>\n<li>Viele Anregungen f\u00fcr verschiedenste \u00dcbungen zum Dekodieren aber auch ganz allgemein zum H\u00f6rverst\u00e4ndnis (am Beispiel von Englisch) sind in :\u00a0 &#8222;Field, John: Listening in the language classroom. Camebridge 2008&#8220; zu finden.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das H\u00f6rverstehen treibt mich schon l\u00e4nger um. Das kann man unter anderem an der Anzahl der Beitr\u00e4ge ablesen, die in dieser Kategorie ver\u00f6ffentlicht wurden. Der eigentliche Knackpunkt ist f\u00fcr mich, dass ich das Gef\u00fchl habe, dass H\u00f6rverstehen in Lehrwerken \u2013 und damit auch im Unterricht \u2013 oft eher getestet als unterrichtet wird. Ich hatte oft den Eindruck, dass sich meine Klasse in zwei Teile teilt: in die, die es schon k\u00f6nnen und in die anderen. Lehrwerke mit aufbauenden \u00dcbungen kenne ich wenige, es sind oft die immer gleichen Formate wie Multiple-Choice oder Richtig-Falsch, mit denen man sowohl \u00fcbt als auch pr\u00fcft.<br \/>\nMeine Bem\u00fchungen, passende Alternativen zu finden, haben meine \u00dcberlegungen in zwei ziemlich unterschiedliche Richtungen gef\u00fchrt: einerseits wie man H\u00f6ren \u2013 jenseits von Multiplechoice und Distraktoren \u2013 m\u00f6glichst authentisch gestalten und in handlungsorientierte Aufgaben einbetten kann und andererseits wie man bestimmte Mikroprozesse des H\u00f6rens \u2013 oder genauer des Dekodierens \u2013 \u00fcben kann.<br \/>\nHeute ver\u00f6ffentliche ich einen weiteren Beitrag zum Dekodieren. Thema sind die unterschiedlichen Formen von W\u00f6rtern.<\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,11,16,3,24,181,41,4],"tags":[29,30,121,284,245,10,185,110],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2060"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2060"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2060\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2070,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2060\/revisions\/2070"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}