{"id":112,"date":"2006-12-02T00:00:46","date_gmt":"2006-12-01T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2006\/12\/03\/von-packchen-und-paketen"},"modified":"2011-01-13T20:53:02","modified_gmt":"2011-01-13T19:53:02","slug":"von-packchen-und-paketen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cornelia.siteware.ch\/blog\/wordpress\/2006\/12\/02\/von-packchen-und-paketen","title":{"rendered":"Von P\u00e4ckchen und Paketen"},"content":{"rendered":"<p>In den Gesch\u00e4ften ist Weihnachten schon lange angekommen. Es ist wieder Zeit f\u00fcr Guetzli, P\u00e4ckchen und Geschenkpapier. H\u00f6chste Zeit sich ein paar Gedanken zur Schreibung von P\u00e4ckchen und Paket zu machen. Die beiden W\u00f6rter scheinen offensichtlich verwandt (und um ziemlich viele Ecken rum sind sie es durch die franz\u00f6sischen Ausgangsw\u00f6rter), aber sie unterscheiden sich in der Schreibweise, eine Tatsache, die mir noch ziemlich weit \u00fcber meine ABC-Sch\u00fctzinnen-Tage hinaus Probleme bereitete.<!--more--><\/p>\n<p>Die Schreibweise hat im Deutschen oft irgendwas mit der Aussprache zu tun. Deutsch hat das Problem, dass sehr viel mehr unterschiedlich gesprochene Vokale existieren als Vokalbuchstaben. Es gibt zum Beispiel ein kurzes und ein langes \u00f6 (wie in H\u00f6lle und H\u00f6hle), aber nur einen Buchstaben \u00f6. Deshalb gibt es ein paar Schreibstrategien, die helfen anzuzeigen, ob ein langer oder ein kurzer Vokal gemeint ist. Eine davon ist das h. Eine andere besteht darin, dass man Konsonanten nach kurzen Vokalen verdoppelt. Damit signalisiert man  die K\u00fcrze eines Vokals. Deshalb schreibt man H\u00f6lle, kommen, rennen, bellen, Ratte und Robbe. Wenn man Doppelkonsonanten sieht, weiss man also, dass man die vorausgehenden Vokale kurz spricht. (Eine Ausnahme sind zwei S in der Schweiz, weil hier das Eszett nicht verwendet wird).<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte also meinen, dass man nach kurz gesprochenen Vokalen immer den Konsonanten verdoppelt. Ganz so einfach ist es aber leider doch nicht. Man schreibt zwar sammeln, aber <em>gesamt<\/em> und das obwohl die beiden W\u00f6rter verwandt sind. Immerhin stehen in gesamt nach dem kurzen A zwei &#8211; wenn auch verschiedene &#8211; Konsonanten. Die graphische Verdoppelung ist deshalb gar nicht n\u00f6tig. Hinzu kommt, dass man einige Konsonanten in der Regel nicht verdoppelt, sondern Ersatzformen w\u00e4hlt. Statt zwei K schreibt man in der Regel ck wie in Sack und statt zwei z tz wie in Katze. W\u00f6rter wie Akkusativ und Pizza sind seltene Ausnahmen, die man sich gerade noch merken kann.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re gekl\u00e4rt, warum man P\u00e4ckchen schreibt und nicht P\u00e4kkchen. Aber was ist jetzt mit Paket? Das A in Paket ist nicht lang. Also m\u00fcsste man ja wohl Packet schreiben? Die Lehrer, die mich in die K\u00fcnste der Orthographie einf\u00fchrten, wollten davon nichts wissen. Paket sei genau wie Rakete und spazieren (das ich gerne mit tz geschrieben h\u00e4tte) ein Fremdwort und bei Fremdw\u00f6rtern seien die Regeln nicht g\u00fcltig. Aha.<\/p>\n<p>Diese Regel war mir nie ganz geheuer. Die genannten W\u00f6rter schienen mir gar nicht fremd. Was soll man denn bitte statt Rakete oder spazieren sagen? Erst Jahre sp\u00e4ter ist mir aufgegangen, was das Fremde an diesen W\u00f6rtern ist. Der springende Punkt ist die Aussprache. P\u00e4ckchen wird wie  bei &#8222;deutschen&#8220; W\u00f6rtern allgemein \u00fcblich auf dem Stamm betont, also in diesem Fall auf der erste Silbe, n\u00e4mlich &#8222;p\u00e4&#8220;. Bei Paket hat sich das deutsche Aussprachemuster nicht durchgesetzt. Betont wird die zweite Silbe, angelehnt an die franz\u00f6sische Endbetonung. Genau diese Betonungsmuster machen den Unterschied aus. K\u00fcrze und L\u00e4nge von Vokalen wird n\u00e4mlich nur in den betonten Silben in der Schreibung ausgedr\u00fcckt. Das ist sinnvoll, denn auch nur da kommt der Unterschied wirklich deutlich zum Tragen. Da &#8222;a&#8220; in Paket nicht betont wird steht also auch kein K\u00fcrzesignal, Bei &#8222;p\u00e4&#8220; in P\u00e4ckchen hingegen schon, denn diese Silbe tr\u00e4gt den Akzent.<\/p>\n<p>Schauen wir die Beispiele mal an, um zu sehen, ob das wirklich stimmt. Katze wird auf der ersten Silbe betont, das a ist kurz, deshalb schreibt man tz. Spazieren wird auf dem i betont, deshalb kein K\u00fcrzesignal f\u00fcr das a. Man schreibt also ein simples z. Dasselbe gilt auch f\u00fcr Rakete. Hier liegt der Akzent auf dem ersten e, ergo verdient das a auch kein K\u00fcrzezeichen.<\/p>\n<p>Noch nicht \u00fcberzeugt?  Das Loch im Berg, durch das Autos oder Z\u00fcge fahren, existiert in zwei Varianten. Einerseits als der Tunnel und andererseits in der vor allem im s\u00fcddeutschen Raum (also auch in der Schweiz) und in \u00d6sterreich verbreiteten Variante das Tunell. Mir geht es hier nicht um die unterschiedlichen Artikel, sondern um die unterschiedliche Schreibweise. Ratet mal, wie die beiden W\u00f6rter gesprochen werden.<\/p>\n<p>Richtig. Tunnel tr\u00e4gt die Betonung auf der ersten Silbe, Tunell auf der zweiten. Das Akzentmuster sieht man also in der Schreibung, und das ist praktisch, weil man so sieht, wie man ein Wort aussprechen muss. Betont werden immer die Vokale, nach denen Doppelkonsonanten folgen.<\/p>\n<p>Rechtschreibung ist manchmal erstaunlich interessant, nicht wahr?<br \/>\nNachzulesen mit mehr Beispielen und Unterrichtsvorschl\u00e4gen in: Wolfgang Menzel. Grammatikwerkstatt. Theorie und Praxis eines prozessorientierten Grammatikunterrichts f\u00fcr die Primar- und Sekundarschule. Seelze-Velber 1999, genauer im Kapitel <em>Der Aufbau der W\u00f6rter: Wortbetonung und Wortschreibung, S. 25-28<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Gesch\u00e4ften ist Weihnachten schon lange angekommen. Es ist wieder Zeit f\u00fcr Guetzli, P\u00e4ckchen und Geschenkpapier. H\u00f6chste Zeit sich ein paar Gedanken zur Schreibung von P\u00e4ckchen und Paket zu machen. 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